„DREAM ON“ | Nikolas Stoltz

Zu wenig Thrill

Inhalt laut Verlag

Träumen per Knopfdruck! Die US-Firma DREAM ON hat eine vernetzte, virtuelle Traumwelt entwickelt, die sich absolut lebensecht anfühlt. Doch über das Unternehmen legt sich ein dunkler Schatten. Die Träumenden werden von ihren schlimmsten Ängsten heimgesucht und grausam gefoltert.

Dieses Buch hatte ich bereits auf vorablesen.de im Auge, doch aus Zeitmangel sprang ich nicht in den Lostopf. Umso erfreuter war ich, als mich der Autor anschrieb und fragte, ob ich nicht Interesse an seinem Buch hätte – passender kann es wohl kaum laufen!

Ich war wirklich neugierig auf die Geschichte – eine Traumwelt die von Menschen erschaffen wird. Gezielt Einfluss auf seine Träume haben, sodass diese fast schon Realität werden. Was aber,  wenn auch die Ängste intensiver werden? Die Grundzutaten dieses Buches klingen mehr als verlockend, doch genau mehr war es für mich persönlich leider nicht – eine reizvolle Grundidee. Denn es fehlte mir einiges damit aus dem vorgestellten Plot eine solide Geschichte wurde.

Die Realität begann zu verschwimmen, um sich kurz darauf vollständig aufzulösen…
(5%)

… um sich dann fast wie die Realität anzufühlen, nur perfekter. Kräftige Farben und das Umfeld auf einen persönlich abgestimmt. Dies klingt für viele zunächst verlockend und so kann auch Nick das Angebot als Dream-Designer bei DREAM ON zu arbeiten nicht ablehnen. Mitten im nichts, mitten in einem Traum. Nick bekommt in der DREAMSPHERE eine Traumbegleiterin, welche ihn nicht nur vertraut mit dieser unbekannten Welt macht, sondern auch das Abbild seiner Traumvorstellung einer Frau ist. Doch dieser Traum entwickelt sich schnell zu einem Alptraum, als sein früherer Familienfreund und Mitarbeiter von DREAM ON tot aufgefunden wird.

Wirklich ein interessanter Plot und doch konnte mich die Geschichte leider nicht abholen. Die Protagonisten, besonders Nick, bewegen sich viel in der sogenannten DREAMSPHERE – dem selbst geschaffenen Traum – und doch ist die darin enthaltene Gefahr lange Zeit zweitrangig.
In erster Linie nimmt Nicks Kindheitstrauma viel Raum ein, sowie die Vergangenheit der später hinzukommenden FBI-Ermittlerin Lena Delago. Es beginnen sich Fragen zu entwickeln, in welchem Zusammenhang dies mit dem aktuellen Todesfall steht. Es war sehr ernüchternd lesen zu müssen, das die Bedeutung eine sehr kleine Rolle spielt. Besonders unzufrieden war ich mit den Antworten auf Nicks Vergangenheit – zu viele Fragen waren noch offen, die innerhalb des Kontexts nicht stimmig waren. Auch die Rückblicke in Lena Delagos Vergangenheit waren zu ausschweifend und nur am Rande wichtig für den eigentlichen Fall.

Nick – der Neue! – steht unter Tatverdacht, doch sein Team steht geschlossen hinter ihm. Für mich persönlich schon unrealistisch, doch wird dies noch durch das Teenangerverhalten übertrumpft: Ein vermisster Mitarbeiter, ein Toter, aber sie geben sich hingebungsvoll dem Turteln hin. Sex, sich verlieben und Rückblicke, sowie Aufarbeitung nehmen der eigentlichen Geschichte den Raum. Unbedeutende Ereignisse stehen im Fokus und drängen die Alpträume und den Mord in den Hintergrund. Die Spannungsmomente sind somit sehr gering und vergehen schnell. Die Protagonisten finden binnen kurzer Zeit Lösungsstrategien und gelangen sehr schnell an Informationen. Die Alpträume die sich in der DREAMSPHERE entwickeln, kommen nur in kurzen Auszügen zur Geltung und nehmen erst zum Ende hin einen größeren Stellenwert ein, was sehr schade ist, da es der Schwerpunkt der Handlung sein sollte.

Das Kontrastprogramm der Protagonisten war mir zu überzogen und der Verlauf zu vorhersehbar.
Lena Delago lässt sich von ihrem neuen Partner klein machen und muss sich anzüglichen Sprüchen stellen, auch die Eigenschaften der DREAM ON-Angestellten entsprechen absoluten Stereotypen. Wer mitunter die Fäden im Hintergrund zieht ist absehbar und auch die Handlungsschritte beinhalten keine Überraschungsmomente.

Es gab aber ebenso gewissen Stellen mit denen mich der Autor gefangen hat. Diese jedoch verflogen leider zu schnell, es war ein zu großes Zusammenspiel von zu langgezogenen und sich überholenden Szenen. Die Grundidee hatte mich definitiv und auch einige Ereignisse machten mich neugierig, worauf ich das Buch nicht beiseite legte. Zum Teil wurde ich bestätigt, nur im kleinen war eine Rolle nicht absehbar. Besonders interessant fand ich die Passagen bezüglich der Auswirkungen von Ängsten und Traumata innerhalb einer solchen Traumwelt. Die Funktionen des Gehirns und der Zugriff auf das Unterbewusstsein waren immer wieder ein Schwerpunkt, welcher weitaus intensiver hätte ausgebaut werden dürfen.

Für mich persönlich ist es für einen Thriller zu vorhersehbar und spannungsarm. Lena und Nick nehmen mit ihren Rückblicken und Problematiken zu viel Raum ein und die Grundidee der Geschichte bleibt zu sehr an der Oberfläche. Die Alpträume, sowie die Konsequenzen daraus hätten weitaus mehr im Fokus stehen sollen.

Rezension verfasst von © Janna
★★☆☆☆

– Weitere Eindrücke –
Der Buchdrache (Maria)
Live your life with books (Anna)

    Buchdetails
Titel: DREAM ON
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Nikolas Stoltz
Verlag: Feuerwerke
ISBN: 978-3-945362-30-3 [E-Book]
— Rezensionsexemplar —

8 Kommentare

  1. Guten Morgen, liebe Janna,
    Danke für deine ausführliche, gute Rezension. Da bin ich gespannt, was mich erwartet. Ich habe mit Dream On gerade begonnen und bisher finde ich es noch gut. Der Einstieg ist mir leicht gefallen. Mal schauen, wie es sich weiter entwickelt und ob die Geschichte mich fesseln kann.
    LG und einen schönen 3. Advent
    Yvonne

    1. Huhu Yvonne, erstmal lieben Dank für dein Kompliment!

      Der Einstieg gefiel mir auch, doch für mich konnte der weitere Verlauf leider nicht überzeugen. Ich wünsche dir mehr Spannung und bin gespannt auf deine Eindrücke!

      Hab einen gemütlichen 3. Advent!

  2. Oh je, oh je. Vielen Dank für deine ausführliche und differenzierte Rezension. Ich würde mich wohl ebenso an den von dir sachlich erläuterten Kritikpunkten stören.

    Denkst du denn, dass der Autor Potenzial nicht genutzt hat?

    Liebe Grüße

    Anja

    1. Huhu Anja, lieben Dank, denn gerade Rezensionsexemplare von Autor*innen zu besprechen, dessen Bücher nicht begeistern konnten, ist nicht so einfach.

      Hmm, wie formuliere ich es nun am besten? Der Autor kann schreiben, ohne Frage. Ob aber das Genre passend ist mag ich nicht sagen …. Die Grundidee ist super und hatte mich sehr neugierig gemacht. Und das Potenzial die Auswirkungen von Ängsten und Traumata innerhalb solch einer Traumwelt wurde leider nicht ausgeschöpft, ist aber definitiv vorhanden.
      Ich denke mit einem Roman und mehr Ausbau von der eben genannten Thematik, würde dem Autor eine einnehmende Geschichte weitaus besser gelingen – ohne nun überheblich klingen zu wollen.

      Hab einen mukkeligen Abend!

    1. Da wir zwei ja schon sehr ähnliche Eindrücke nach den gleichen Büchern haben, glaube ich nicht das es dir gefallen könnte. Leider, denn das Buch selbst und die Idee klingt ja sehr vielversprechend!

  3. Oha, tolle Rezi und damit bin ich mir nicht mehr sicher ob ich es lesen möchte. Ich denke die Kritikpunkte würden mich auch stören.
    GLG und einen tollen Abend
    Anja

    1. Huhu Anja,
      vielen Dank. Da es ein Rezensionsexemplar direkt vom Autor war bzw. ist, fiel es mir besonders schwer, da schreibt man ja eher ungern enttäuschte Leseeindrücke …

      Hab einen feinen Start ins Wochenende!

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