„Diverse Töne Rot; Borderline – und nach außen alles normal!“ von Sanny Regen

Borderline – Kleine Einblicke und tiefe Abgründe

Borderline, die Störung der Affektregulation: Betroffene haben keine Kontrolle über ihre inneren Gefühlslagen (bspw. Wutausbrüche gegen Menschen und/oder materiellen Dingen). Mit dieser Erkrankung gehen u.a. Depressionen, Selbstverletzung, Suizidalität, die Beeinträchtigung des Sozialverhaltens und vielen weiteren Erkrankungen einher.

In dieser Biographie verbindet die Autorin Ursprung und Gegenwart miteinander. Aus der dritten Person heraus beschreibt sie die gegenwärtige Sanny, die Probleme mit ihrem Verlobten und der Arbeit. Sie beschreibt die Streitsituationen, in dem das Gefühl der Selbstverletzung überhand nimmt. Ihre kaum kontrollierbaren Wutausbrüche.

„Für Sanny sind die Menschen merkwürdig. Alles an ihnen erscheint ihr wie eine undenkbare schwere Fremdsprache, die sie nur mit permanenter Übung lernen kann.“ (S. 10)

Dies zeigt sich immer wieder in der Beziehung zu ihrem Verlobten. Die Missverständnisse darin, das Schweigen und sich entfremden. 
Ebenso werden die beruflichen Probleme aufgezeigt, das Funktionieren wollen, es allen recht machen – nach außen hin alles als ’normal‘ vorgeben.

Aus der Ich-Perspektive sind Sannys Notizen, ihre Reise in die Vergangenheit auf der sie uns erlaubt teil zunehmen.

„Was anfangs noch ein Spiel war […] wurde Ernst […]“
(S. 46)

Sanny wurde manipuliert, von Beginn an, von ihrem Vater. Während Mutter und Bruder schikaniert und missachtet worden, wurde Sanny auf Händen getragen, gestärkt für die Welt, erhaben über den Pöbel. Der Vater unterzog sie Mutproben, machte ein Spiel daraus, wollte sie darauf trainieren das der Wille stärker als der Körper ist. Doch was sich dahinter verbarg war ein Tyrann, ein übergriflicher Vater welcher seiner Tochter ein verzehrtes Weltbild beibrachte. Sanny wuchs in dem Glauben auf, so wie ihre Familie seien alle Familien.

Solche Geschichten berühren und gehen unter die Haut. Auch wenn ich bereits viele Bücher und Filme über den Ursprung und dem Leben mit solchen und ähnlichen Erkrankungen kenne, bin ich immer wieder neu erschüttert! Was Eltern ihren Kindern antuen können ist kaum in Worte zu fassen. Eine falsche Realität und ein verzehrtes Weltbild wird erschaffen, so tief manipuliert das Sanny bis heute von schlechtem Gewissen begleitet wird.

Es ist schockierend wie sehr ein Umfeld seine Augen verschließen kann. Denn aus der Geschichte von Sanny geht ganz klar hervor: die Familie fiel auf. Wurde von Schule und Jugendamt besucht, waren ungewöhnlich oft im Sprechzimmer des Hausarztes, regelmäßige Krankenhausbesuche. Nie ist jemand wirklich eingeschritten, hat einen genaueren Blick gewagt. Eine Geschichte welche nicht am Stück oder mal eben gelesen werden kann, welcher man sich aber auch nicht mehr entziehen möchte. Von Seite zu Seite taucht man tiefer in ihre Gedankenwelt ein, möchte erfahren wie sich ihr zukünftiges Leben entwickelt, wie sie mit der Konfrontation der eigenen Vergangenheit umgeht.

Worte die vieles beim lesen in mir auslösten und hier doch kaum in Sätze formuliert werden können. Eine Lebensgeschichte die für sich allein steht und gelesen werden sollte. Ein einnehmendes Buch, welches gerne noch intensiver die Erkrankung selbst hätte skizzieren dürfen.

Das Buch, Sannys (Lebens)geschichte, kann bezüglich verschiedener Szenen triggern!

Rezension verfasst von © Janna

    Buchdetails
Titel: Diverse Töne Rot; Borderline – und nach außen alles normal!
Buchreihe: Einzelband 

AutorIn: Sanny Regen
Verlag: Starks-Sture 

ISBN: 978-3-939-58625-8 [Paperback]

2 Kommentare

  1. Wow, das klingt nach einem starken, einem bewegenden Buch. Ich lese ja eh auch sehr gern Biographien und solche „Schicksal Bücher“. Und wenn dann noch eine psychische Störung thematisiert ist, bin ich als Psychologiestudentin natürlich gleich besonders neugierig. Das Buch werde ich mir mal merken. Eine schöne Rezension. Auch wenn ich nicht 100%ig mit der Definition von Borderline einverstanden bin. Dazu wurden mir die Diagnosekriterien zu sehr eingeprügelt. Aber zugegeben ist deine für deine Laien wahrscheinlich verständlicher.
    Falls du ein Buch zu einem ähnlichen Thema lesen willst: Tanz auf Glas behandelt das Thema „bipolar“ und ist sehr gut recherchiert.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Vielen Dank, denn Rezensionen zu solchen Büchern finde ich immer besonders schwer! Denn es sind nur meine kleinen Eindrücke einer außenstehenden.

      Was du in Bezug auf die Definition meinst kann ich absolut verstehen, denke aber das die oberflächliche Beschreibung für alle LeserInnen die sich mit dieser Thematik bislang nicht beschäftigt haben eben der nachvollziehbarste ist.

      Deinen genannten Buchtitel werde ich gleich mal nach schauen und landet dann wohl auf meiner WuLi!

      Ganz liebe Grüße

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