Rezension

„Die Unantastbaren“ von Richard Price

Inhalt laut Klappentext

„Der packende COP-ROMAN von Richard Price – Nachtschicht in Manhattan: Billy Graves ist ein ruheloser Cop. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks in New York City abfährt.

Billy und vier seiner Freund bilden den harten Kern der Wildgänse – einer Gruppe vom Leben gezeichneter Cops und Ex-Cops in Manhattan, New York. Vergangene Untaten schweißen sie zusammen. Billy fristet, seit er bei einem Schusswechsel einen zwölfjährigen Jungen getötet hat, seine Zeit als Detective in der Nachtschicht. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen Unantastbaren, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte.

Als er einen der Unantastbaren in einer gigantischen Blutspur entlang einer Subway-Station findet, gerät die ungesühnte Vergangenheit wieder an die Oberfläche, und Billy beginnt, gegen seine engsten Vertrauten zu ermitteln. Ein fesselnder New York-Roman, knallhart, fesselnd und gnadenlos gut.“

„Sie waren unglaublich gewesen damals, außergewöhnlich gewärtig, manchmal zwei Schritte vor den Tätern am Ort des Geschehens, und sie waren Zehnkämpfer, jagten ihre Beute durch Hinterhöfe und Wohnungen, über Dächer, Feuertreppen rauf und runter und hinein in wässrige Gefilde.“ (S. 39)

Welcome in New York – Welcome in Manhatten
Nachtschicht in der Stadt, die niemals schläft

Kaffee, jetzt einen heißen, starken Kaffee oder wie Billy, der Cop der nur Nachtschicht macht, einen hochprozentigen Schlummertrunk. Eben nach der Nachtschicht, kurz vorm Schlafen gehen, am frühen Morgen oder mitten am Tag. Er hat mich mitgeschleppt, durch die Straßenschluchten und Häuserblocks. In verranzte und heruntergekommene Wohnungen und zu den seltsamsten Menschen. In ein Beerdigungsinstitut, in dem sehr wohl gelebt wird. In Cafés und Krankenhäuser. In seine Dienststelle und immer wieder nach Hause, zu seiner Frau, dem dementen liebenswerten Vater und den zwei aufgeweckten Jungs. Billy und seine Geschichte hat mich ein paar Stunden gekostet und wisst Ihr was? Es war jede einzelne Sekunde wert gewesen!

Die Unantastbaren sind mitnichten die Cops – sondern die Mörder, die sie jagen. Männer von denen sie genau wissen, dass sie schuldig sind und ihnen doch nichts nachweisen können. Seit Jahren schleppen sie dieses Wissen und nichts tun können mit sich herum und so manch einer der ehemals 5köpfigen Truppe verzweifelt daran.

„…der harte Fünfer-Kern: Billy, Pavlicek, Jimmy Whelan, Yasmeen Assaf-Doyle und Redmann Brown“ (S. 39)

Von diesen Fünf ist nur noch Billy im Polizeidienst und doch hängen sie alle immer wieder gemeinsam ab – denn es ist diese Gemeinsamkeit um die Unantastbaren, die sie zusammengeschweißt hat. Diese Dämonen in Menschengestalt, die in Freiheit herumlaufen, während deren Opfer schon lange beerdigt sind. Sie sind alle in die Jahre gekommen und jeder schleppt seine Päckchen mit sich herum. Als dann einer dieser Unantastbaren ermordert wird – es ist Pavliceks – fängt nicht nur Billy an Fragen zu stellen. Wer hat diesen Mörder ermordet? 

Anfänglich dachte ich nur „Was ein Chaos“ – so viele Namen und Orte, wie soll ich die alle behalten und miteinander verbinden ohne Knoten reinzumachen? Es hat geklappt – sehr gut sogar und richtig nachhaltig, da die Geschichte einfach so grandios geschrieben ist. Billy und seine ehemaligen Kollegen sind dermaßen menschlich dargestellt, dass man sie vor sich sieht und all ihre Lebensgeschichten, so unterschiedlich sie auch sind, einfach hängen bleiben. Der eine mit Immobilien reich geworden, der andere führt ein Beerdigungsinstitut.  Yasmeen als Vizedirektorin einer Uni und Whelan ein Hausmeister. Aber der Protagonist schlechthin ist und bleibt während der ganzen Geschichte Billy.

Das Tempo ist rasant, es geht von einem Fall zum Nächsten, schließlich begleitet man einen Polizisten. Von Tatort zu Tatort im nächtlichen Manhatten, kam ich mir ein bisschen wie ein Voyeur vor. Alles genau beobachten, wie Billy es tut und irgendwann anfangen zu kombinieren, denn es bleibt nicht bei einem toten Unantastbaren.

Besonders empfand ich Billys Familienleben dass immer wieder zur Sprache kommt. Seine Frau Carmen, die selbst irgendwie einen Dämonen mitzuschleppen scheint, all die Ehejahre lang, Billy ahnt es und weiß doch nichts. Und dann wird der Spieß herumgedreht und Billy muss erfahren wie schnell man Opfer werden kann, indirekt zwar aber die zunehmende Bedrohung hält einen als Leser gefesselt. Man weiß mehr als Billy, folgt den Situationen und fürchtet um jeden einzelnen der großen Familie.

Wie gesagt, dass Tempo ist rasant, schnelle Szenenwechsel, kurze Abschnitte aber auch immer wieder längere Kapitel, numerierte und solche die nur einen Namen tragen. Der Schlüssel zu allem? Oder nur ein Ablenkungsmanöver? Manchmal, wenn Billy müde ist von der nächtlichen Arbeit und schlafen geht, könnte man als Leser auch zur Ruhe kommen. Aber es geht nicht, denn die Dämonen schlafen auch nicht.

Die Sprache ist außergewöhnlich, gut und ehrlich und auch die Dialoge machen so großen Spaß, selbst wenn es oft um das gleiche Thema ging – der Tod – in allen möglichen Varianten. Alles kommt zur Sprache, Hass, Angst, Wut, Schmerz, Verlust aber auch Liebe, Geborgenheit und die Gewissheit dass da einige in der Nacht herumlaufen die Gutes oder Bösesn im Schilde führen – dazwischen gibt es nichts.

„Sie war jetzt maschinenbeatmetes Gemüse, und in den vergangenen Stunden hatten bereits drei Schwestern jeweils sachte darauf hingewirkt, den Stöpsel zu ziehen, um die Ernte einzuleiten.“ (S. 199)

All die Personen im Buch, vom gestandenen Cop über Mütter und Väter deren Kinder ermordet wurden, die Gangmitglieder, Dealer und Kleinkriminellen, die Mörder und Opfer, laufen mit einem durch das Buch. Man lernt alle kennen, mögen muss man nicht jeden, aber interessant sind alle, ausnahmslos. Am beeindruckensten empfand ich die Darstellung des dementen Billy senior – er hat mir so oft ein Schmunzeln beschert und mich immer wieder überrascht wie viel Erinnerungen er doch noch hatte.

Es hat Spaß gemacht – neben dieser Geschichte um die Unantastbaren noch eine weitere zu erlesen. Sehr spannend, sehr realistisch und unheimlich atmosphärisch. Die Stimmung im Buch spiegelt sich durch das nächtliche Manhatten wieder. Immer in Bewegung, immer unter Strom. Wer pausiert verliert. Also, starken Kaffee kochen und hineinspringen in Billys persönlichste Geschichte. Es lohnt sich. Der Krimipreis 2016 ist absolut verdient.

Rezension verfasst von © Kerstin 

    Buchdetails
Titel: Die Unantastbaren
Buchreihe: Einzelband
Autor: Richard Price 
Verlag: S. Fischer 

432 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.10.2015
ISBN: 978-3-596-03344-7 [Paperback]
Kosten
Paperback
: 10,99 €
Hardcover: 24,99 €
E-Book: 9,99 €
 Download: Kursiv

3 Gedanken zu „„Die Unantastbaren“ von Richard Price

  1. Sehr interessant klingt das alles. Es klingt auf jeden Fall nicht nach einer Story, derer es so viele gibt und die in der großen Masse untergehen. Du hast mich neugierig gemacht. Das Buch ist schon mal vorgemerkt.

    1. Hallo, danke für Dein Kommi 🙂
      Ja, die Geschichte ist mal so ganz anders als üblich aber sie fesselt und durch dieses Setting hat es eine tolle Atmosphäre, wenn auch viel Gewalt vorkommt ist nicht grausam sondern sehr spannend.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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