Rezension

„Die Brut – Sie sind da“ von Ezekiel Boone [Janna]

Es sind keine gewöhnlichen Spinnen
Diese schwarze Flut kommt summend
Sie haben Hunger
Und sie kommen schnell

Ich bin ja wirklich einiges aus Buch und Film gewohnt, aber alles hat seine Grenzen! Meine ist bei Spinnen und Augen erreicht – wenn dies auch noch in Kombination wie in diesem Buch auftritt, sind meine einzigen Notizen „Irgh, bäh, Ekel!“!

Auch wenn erst auf Seite 116 die Tiere klar als Spinnen bezeichnet werden, so nehme ich bedingt durch das Cover keine Spannung vorab heraus.
Für wahrhafte Phobiker ist solch eine Warnung natürlich hilfreich und nicht jeder möchte ein Buch (Thriller) über diese Tierart lesen. Der Spannungsbogen, die Neugierde – für mich persönlich – wäre noch etwas höher gewesen, wenn nicht von Beginn klar gewesen wäre, worum es in der hier beschriebenen Szenerie genau geht.

Bereits durch den Prolog wird man mitten in die anbahnende Katastrophe katapultiert. Der Autor versteht sich darin dem Leser Bilder zu projizieren und spielt mit der Urangst. Er bedient sich dabei zweierlei Wege – mal schildert er die Situationen sehr detailliert, andere wiederum überlässt er der Phantasie.

„[…] die Ferdern des Vogels sahen nicht aus wie sie sollten. Sie schienen zu wimmeln, als ob da –
Der Vogel fiel vom Himmel.“

Die ersten hundert Seiten umschreiben verschiedenen Szenen die im kleinen auf die im Buch bezeichnete ’schwarze Flut‘ hinweisen, um sich im Verlauf zu einer existenziellen Gefahr zu steigern.
Seismographen schnellen in die Höhe, ohne das ein Erdbeben folgt. In Amerika ist eine Hitzewelle zu spüren und am Hindukusch fallen die Temperaturen. Das der Autor verschiedene Länder und Kontinente an den Abgrund führt, gefällt mir weitaus besser, als wenn er sich nur auf ein Land beschränkt hätte. Es wirkt realer und ich huschte durch die Seiten, um zu erfahren wie sich die einzelnen Situationen entwickeln.

Der Spannungbogen wurde aber auch immer mal wieder ausgebremst – eine Vielzahl an Charakteren, welche bei mir mit Namensverwechslung einher ging. Und auch nicht jeder der aufgeführten Protagonisten war für mich greifbar oder gar relevant für die Geschichte. Ich habe bereits von anderen LeserInnen gehört, das ihnen die Charaktere zu oberflächlich waren. Dem kann ich nicht widersprechen, es fällt jedoch bei mir nicht in die Bewertung mit hinein. Wenn das Setting stimmt und der Kernpunkt auf die Entwicklung dessen liegt, müssen die Charaktere nicht psychologisch ausgearbeitet werden. Und darin überzeugt Ezekiel Boone – die bildhaften Beschreibungen der ’schwarzen Flut‘ und der Darstellung verschiedener Orte. Fernab der immer wiederkehrenden Charaktere beschreibt der Autor verschiedene Orte/Länder in denen die Protagonisten nur mit dem passendem Personalpronomen bezeichnet werden, um zu verdeutlichen das es um die Szene selbst geht, das die Spinnen sich auf der gesamten Welt fortbewegen. Dies gefiel mir besonders gut, da sich ein erschreckendes Gesamtbild abzeichnet.

Auch wenn der Fokus auf der Entwicklung und dem Ausmaß liegt, so gibt es auch prägnante, wenn auch nicht tiefgründige, Charaktere die mir sehr sympathisch waren. Besonders bei der Protagonisten Melanie Guyer ist es dem Autor gelungen Humor, Wissenschaft und Spannung miteinander zu verbinden. Da sie Biologin ist, sind es ihre Passagen, welche leicht verständlich den wissenschaftlichen Aspekt erläutern. Man erfährt viel über das Verhalten von spinnen und wie untypisch diese Art sich verhält. Sie zeigen eine Form des Miteinanders, die zuvor noch nie bei diesen Tieren zu beobachten war. Gespickt wird die Geschichte mit wahren Schilderungen wie bspw. die Nazca-Linien.

Ich habe nun schon öfters gelesen, das dieses Buch wie ein Hollywood-Streifen in Buchform zu lesen ist. So ganz will ich dem nicht widersprechen, denn besonders zum Ende hin überschlägt sich das Auftauchen der Achtbeiner – wie sie kommen und in welcher Geschwindigkeit.
Und auch wenn ich nicht gerne actionbeladene Szenen lese, so ist es hier sehr passend. Auch die Spannung hält der Autor konsequent, indem er immer wieder kleinen Cliffhanger an bestimmten Kapitelendungen einbaut. Gerade zu Beginn reizt es ungemein weiter zu lesen, wenn noch nicht greifbar ist, wohin sich diese Geafhr entwickelt.

„Aber er irrte sich. Ganz hinten in der Dunkelheit regte sich leise etwas in der Asche.“

Wer diesen Band liest, muss den Folgeband lesen, um die ganze Geschichte zu erfahren. Das Buch ist keine in sich abgeschlossene Geschichte, sondern endet am Höhepunkt. Auch ein dritter Band scheint (!) in Planung zu sein.

Rezension verfasst von © Janna

1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension zu dem Buch

    Buchdetails
Titel: Die Brut – Sie sind da
Buchreihe: 1. Band

AutorIn: Ezekiel Boone
Verlag: Fischer 

ISBN: 978-3-596-03553-3 [Paperback]

  Die Brut- Reihe
Band 1 ~ „Die Brut – Sie sind da
Band 2 ~ „Die Brut – Die Zeit läuft“ (erscheint am 24.8.`17)

8 Gedanken zu „„Die Brut – Sie sind da“ von Ezekiel Boone [Janna]

  1. Also ich hab bisher eigtl nur gute Bewertungen gelesen, mit geringer Kritik. Von daher bin ich auch geneigt, das Buch zu holen 🙂
    Fühle mich nur immer an „Die Saat“ erinnert und diesem Vergleich müsste sich das Buch wohl auch meiner inneren Leserstimme dann stellen 😛

    1. Durch die LR und der ein oder anderen FB-Gruppe hab ich einiges an Kritik gelesen/mitbekommen. Aber wie gesagt, mich störten die genannten Punkte eher nicht.
      „Die Saat“ ist ein Buch mit dem ich auch schon länger liebäugle, somit schloss sich ein Vergleich bei mir aus 😉

  2. Liebe Janna und liebe Kerstin,

    ich habe beide Rezensionen von euch gelesen, danke für eure detaillierten Eindrücke!
    Um dieses Buch schleiche ich ja noch herum, ich habe ja Angst vor Spinnen. Daher wäre es schon eine Herausforderung. 😉
    Deine ausgewählten Zitate sind klasse, besonders das mit dem Vogel lässt unheimliches erahnen.
    Ich werde es mal vorsichtig auf meine Merkiste setzen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Nicole

    1. Huhu Nicole,

      und ich freue mich das wir dich neugierig machen konnten und dich die Zitate in meiner Rezension ansprechen! Ja, eben aufgrund dieser Herausforderung wollte ich es gerade lesen und für mich hat es sich gelohnt.
      Ich hoffe es wandert schnell von der WuLi in dein regal und bin gespant auf deine folgende Rezension dann!

      Hab einen mukkeligen Abend!

  3. Ich bin ja der blanke Angsthase was Spinnen anbelangt, aber das Buch hätte ich auch gerne gelesen. Schade das ich leider nicht bei der Leserunde bei LB dabei sein durfte, irgendwie bei den Fischerbüchern habe ich nie Glück. 🙁

    Mal sehen vielleicht meldet sich ja doch noch irgend jemand der es gerne los werden will, ansonsten habe ich ja vor kurzem einen 15.- Euro Gutschein für meine Rezension gewonnen vielleicht suche ich es mir da aus. Auf jeden Fall scheint es dir besser gefallen zu haben wie Kerstin. 🙂

    1. Ich bin auch kein Freund dieser Achtbeiner – und der Ekelfaktor war wirklich hoch, Kopfkino par excellence.

      Ja stimmt, deine feiner Gutschein – auch hier Glückwunsch dazu! Bin neugierig welches Buch (Bücher) es davon werden.

      Wünsch dir noch einen feinen Abend!

  4. Liebe Janna,
    habe vielen Dank für diese schöne Rezension. Ich lese schon ganz gerne mal ein actionreiches Buch, das auch gerne mit Horror-Elementen ausgerüstet sein kann. Und wenn man vorher schon weiß, dass die Charakterisierung nicht in die Tiefe geht, sondern ein ständiger Wechsel uns viele Handelnde präsentiert, dann würde mich das wahrscheinlich auch nicht stören. Dieses Buch steht sowieso schon auf meiner Leseliste und Du hast mir nochmal bestätigt, dass es zu Recht dort steht.

    LG Gabi

    1. Ich danke dir für deine lobenden Worte!
      Wie gesagt, in diesem Buch fand ich es nicht störend das die Charaktere eher an der Oberfläche bleiben – das Setting überzeugt! Und einige Charaktere wie Melanie Gyuer wachsen einem ans Herz, ihre Passagen habe ich wirklich gerne gelesen! Der Autor hat viel bei ihr authentisch verknüpfen können und das Kopfkino gut laufen lassen *brrr 😉

      Bin gespannt auf deine Meinung sobald du es gelesen hast!

      Hab einen feinen Abend!

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