„Der weiße Affe“ von Kerstin Ehmer

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg


Inhalt laut Verlag

Ein jüdischer Bankier wird erschlagen im Hausflur seiner Geliebten aufgefunden. Kommissar Ariel Spiro ist gerade aus der Provinz nach Berlin gezogen und übernimmt direkt seinen ersten Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten gibt Spiro Rätsel auf.
Schon bald gerät der junge Kommissar in den Sog der Metropole, getrieben vom schnellen Rhythmus und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nachtleben. Als er sich von der faszinierenden Tochter des Toten magisch angezogen fühlt, muss Spiro aufpassen, dass ihm der Fall nicht entgleitet.

Nach und nach fallen die Masken und nicht jeder ist das, was er vorgibt zu sein.


Ihr Ruf eilt ihnen voraus
(S. 12)

1920er Jahre
Die Menschen haben sich gerade weitestgehend erholt. Der Krieg ist vorüber, die Verwundeten und Gefangenen nach Hause zurückgekehrt. Die Toten sind nur noch Erinnerungen. Das Land ist im Aufbau und doch sind viele der Verletzungen geblieben. Am Körper, im Kopf, in den Herzen.
Alles floriert, auch das Verbrechen und so kommt Kommissar Spiro zu seinem ersten Fall in Berlin. Der „Neue“ ist noch recht jung und doch schon ein alter Hase. Seine Fälle schließt er ab – immer, auch wenn es manchmal etwas unkonventioneller vonstatten geht.

Nun, neu in Berlin, der Großstadt, dessen Treiben und Menschen ihn direkt in seinen Bann ziehen, geht es direkt an den ersten Mordfall. Ein toter Bankier, ein Jude, der so gerne ein Deutscher gewesen wäre.
Es gilt das Motiv zu finden. Verdächtige gibt es genügend.
Spiro ist hartnäckig und mit seinem Kollegen macht er sich auf in das Nachtleben Berlins. In die Bars und Theater. Oder in die Katakomben, so manche üble Spelunke und luxuriöse Behausungen.
Dabei erfährt Spiro und die LeserInnen eine ganz Menge und genau das fand ich absolut großartig.

Die Autorin nimmt einen mit – in die 1920er Jahre nach Berlin. Sie hat wahnsinnig gut recherchiert und so viele Themen in diesen Kriminalfall eingebunden, die ich nicht erwartet aber so sehr genossen habe. Ein Lesehighlight für alle geschichts historisch Interessierten.
Die Lebensumstände, besonders der Frauen sin so authentisch geschildert, aber auch die neue sexuelle „Revolution“, das Ausleben und Erleben von geheimen Wünschen ist immer wieder Teil dieser Geschichte.

Es gibt so viele Unterthemen, aber man wird nicht erschlagen davon. Es ist wie eine Zeitreise in eine alte Welt, bei der man immer wieder neues erfährt. Hintergründe zu den jüdischen Sitten und Gebräuchen – hier hat mir die Geschichte um die Mendelsohn Affen besonders gefallen und auch schon die ersten antisemitischen Begebenheiten fallen einem auf. Man weiß, worauf dies hinauslief und auch Spiro merkt, dass da etwas im Entstehen ist und es gefällt ihm gar nicht. Das machte ihn mir noch sympathischer.

Ich halte solche Rassetheorien für gefährlich, auch der zunehmende Beifall, der sich dafür findet.
(S. 153)

Der Kriminalfall entpuppt sich im Laufe des Buches als sehr komplex. Es gibt so viele Zusammenhänge aber man verläuft sich nicht, sondern folgt Spiro immer weiter und macht wie er auch, so manche Erfahrung um Vorurteile und Verurteilungen.

Der Schreibstil hat mich auch überzeugt. Es gibt einen ausgleichenden Wechsel zwischen kurzen, knappen Sätzen und langen Erzählsträngen. „Der weisse Affe“ hatte mich in seinen Bann gezogen, wie auch die in kursiv immer wieder vorkommenden Abschnitte über das Kind, Alexander. Ein hochintelligenter Junge, der unter seiner Mutter leidet. Sie liebt ihn und sie liebt ihn nicht. Vernachlässigung und Überbehütung gehen Hand in Hand.

Der weisse Affe ist nicht mehr
(S. 153)

Sie ist rund, die Geschichte um Spiro und ich würde mich sehr freuen, wenn er wieder ermitteln würde. Auch der Fall um den Mädchenmörder, neu aufgerollt von der Autorin, wäre reizvoll.
Absolute Leseempfehlung für Krimifans und alle, die gerne in die Vergangenheit zurück kehren.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

Zu „Der weisse Affe“ läuft bis zum 27.10.2017 eine Blogtour bei der es seitens des Pendragons Verlages auch Exemplare des Romans zu gewinnen gibt – hier geht es zu unserem Beitrag.

– Andere Lesermeinungen –
Die Leserin
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Buchdetails
Titel: Der weiße Affe
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Kerstin Ehmer
Verlag: Pendragon
ISBN: 978-3-86532-584-6 [Paperback, 280 Seiten, 17,00 € ]
— Rezensionsexemplar —

12 Kommentare

    1. Danke Nise, es freut mich immer sehr wenn ich mit einer Rezension richtig liege.
      Und neben Spannung gibt es noch jede Menge Hintergrundinfos. Vieles war mir so nicht bekannt.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  1. Hallo Kerstin,
    solche Art von Büchern hätte ich bis vor kurzem wohl eher nicht gelesen, aber momentan habe ich eine Phase, in der ich gerne historisch angehaucht lese und das Buch klingt wirklich interessant!
    Liebe Grüße, Heike

    1. Hallo Heike,
      es macht mir immer Spaß in die Vergangenheit anzutauchen auch wenn es nicht immer schöne Dinge sind die man erfährt. Ich kann dir das Buch echt sehr enpfehlen.
      Liebe Grüße
      Kerstin

    1. Hey Joel,
      das Buch kann ich wirklich nur empfehlen. Gerade wenn man gerne in die Vergangenheit reist und die Zeitgeschichtlich auf sich wirken lassen möchte.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Ich liebe historisch Krimis und welche aus dem Deutschland des 20. Jahrhunderts, auch aus den „wilden 20ern“ finde ich super interessant, gerade weil sie zu einer Zeit spielen, die an sich schon aufregend und alles im Umbruch ist.

    Ich hab mal mein Glück beim Gewinnspiel versucht, aber auf alle Fälle ist dieser Krimi auf meine Leseliste gewandert.

    LG Gabi

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