„Der Tod so kalt“ von Luca D´Andrea

Inhalt laut Klappentext

„Drei grausame Morde. Ein schweigendes Dorf. Ein Fremder, besessen von der Wahrheit.
Südtirol, 1985. Tagelang wütet ein gewaltiges Gewitter über der Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen.
Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker – und wird schon bald seine Neugier bereuen. Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst …“

„Verschwinde, zischte die Bestie. Verschwinde“ (S. 140)

Es war weniger die Geschichte in diesem Buch die mich so faszinierte, sondern die Sprache und der Ausdruck.
Es war das Zischen und das Knistern des Eises, das Flüstern der Bergmasse, das Grollen in der Bergschlucht. All dass war die Stimme der Bestie und sie sprach die ganze Zeit mit mir und flüsterte all die Geheimnisse heraus, die sich versteckt hielten, manche seit 30 Jahren, manche erst seit kurzer Zeit und manche so uralt.

Siebenhoch, ein Ort in Südtirol, an den es Jeremiah Salinger verschlagen hat, lebt mit und in seinen Erinnerungen. Die Einwohner sind naturverbunden und einer hilft dem anderen, nur Fremden gegenüber offenbaren sie sehr schnell ihr wahres Gesicht. Festgefahren in ihren Bräuchen und Sitten können sie nichts anderes akzeptieren und obwohl seine Frau Annelise eine von ihnen ist, gehört Salinger doch nicht dazu. Als ein tragischer Unfall geschieht, ist es nur Salinger der überlebt und dass kann weder er, noch die Bewohner verzeihen.

„Denn ich hatte die schwerste Schuld überhaupt auf mich geladen. Ich hatte überlebt“ (S. 46)

Der Einstieg in das Buch ist wie eine beginnende Dokumentation – Salingers Leben in den USA, seine Arbeit, seine Erfolge und Misserfolge und warum es ihn überhaupt nach Siebenhoch zieht.
Stellenweise etwas langatmig, so viele Details, bei denen ich nicht sicher war ob ich all das wissen muss und will.
Immer wieder kommt es in der Geschichte zu diesen „Entgleisungen“ – Schilderungen zu Personen, Orten und Begebenheiten – und doch hat es mich alles irgendwie gefesselt.

Salinger, der alles aus seiner Sicht erzählt und damit sehr viel Raum einnimmt. Ein smpathischer Charakter, der leidet aber nicht in Selbstmitleid zerfließt.
Depressionen die ihn über Wochen und Monate verfolgen, bis er eine Aufgabe bekommt – fast so als hätte sie darauf gewartet dass er kommt – zu recherchieren und nachzuforschen, was damals geschehen ist, in der Bletterbach-Schlucht.
Dieser Mord an drei jungen Menschen, grausame Dinge die geschehen sind vor 30 Jahren und damit seinen Ehrgeiz wecken und ihn zu einem Bessesenen machen.

Seine Familie leidet unter dieser Bessenheit und nur seine kleine Tochter Clara kann ihn immer wiederzurückholen. Sie braucht nicht viel dazu, nur ein paar Buchstaben – ein Spiel das beide immer spielen und in dem Buch fast schon zelebriert wird.
4 Buchstaben – PAPA
5 Buchstaben – CLARA

„Wahnsinn lagert sich ab, und dann frisst sich der Hass in die Seele und gebiert Blutdurst.“ (S. 456)

Böse – sehr böse wird es. Denn Salinger ist nicht der einzige Besessene in dieser Geschichte. Es gilt hinabzusteigen in dieses dunkle Gewirr aus Schuld und Unschuld. Wer weiß was? Wer tut nur so? Und wer verschweigt mit die wichtigsten Dinge, die sich zugetragen haben? Salinger folgt allen erdenklichen Spuren, kommt mehr als einmal vom Weg ab und strauchelt, fällt auf die Schnauze und rappelt sich doch wieder auf. Es war diese Bessenheit die mich am Buch hielt und weil ich es unbedingt wissen wollte – alles – über den Mord in der Bletterbach-Schlucht, die Sagen und Legenden um die Höhlen und die Menschen.

Salinger ist als Journalist und Dokumentarfilmer ein Geschichtenerzähler. Genau das hat er großartig gemacht (oder besser gesagt der Autor), eine Geschichte erzählt, haarsträubend, spannend und manchmal etwas wirr. Ein tolles Settimg in den Bergen und in der Schlucht. Eine Wanderung durch Naturschauspiele, mit allen damit verbundenen Gefahren. 

Die Bestie, was ist es oder wer ist es? Der Gletscher, das Bergmassiv, die Schlucht, der Mensch? Wer oder was lauert dort?
Kann etwas nicht von dieser Welt sein und gleichzeitig doch? Wie unvorstellbar ist das Unvorstellbare? Aber was weiß ich schon?
So viele Orte auf dieser Welt, die noch ursprünglich sind, fernab aller Zivilisation.
Was weiß ich was es dort alles gibt?
Vielleicht mit ein bisschen Fantasie Unglaubliches?
Etwas das nicht sein kann?


Das liebe ich so an Büchern – immer etwas Neues, Besonderes, Anderes – und deswegen so gut, man muss sich nur darauf einlassen.

10 Buchstaben – lesenswert!

Rezension verfasst von © Kerstin


    Buchdetails
Titel: Der Tod so kalt
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Luca D‘ Andrea
Verlag: DVA [Random House]

Erscheinungsdatum: 06.03.2017
ISBN: 978-3-421-04759-5 [Paperback]
               Kosten
Paperback: 14,99 € | 480 Seiten
E-Book: 11,99 €
Audio: 14,99 €  | 1 mp3-CD, Laufzeit: 9h 13 | Sprecher: Matthias Koeberlin
Download: 10,95 € | gek.: 9h 13

2 Kommentare

    1. Hallo liebe Claudia,
      etwas Durchhaltevermögen am Anfang wird belohnt da die Sprache wirklich sehr schön ist und so manches Unerwartet……Ach nee…..Ich will ja nicht spoilern 😉
      Viel Spaß damit
      Liebe Grüße
      Kerstin

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

%d Bloggern gefällt das: