Rezension

„Der Nylonstrumpfmaschinenführer“ von Bernd Mannhardt [Hörbuch]

Inhaltsangabe laut Autoren-Homepage

„Der Nylonstrumpffabrikkollege unseres Helden manipuliert dessen Nylonstrumpfmaschine derart, dass sie „bloß noch Nylonstrümpfe mit Laufmaschen ausspuckt. Der Konflikt liegt blank und ist zugleich Programm dieser Shortstory, die bei BookRix, München, erschien: Der Sabotierte muss sich entscheiden, ob er gegen „die ausgemachte Sauerei“ aufbegehrt oder es sich doch besser auf der Opferbank „gemütlich macht.“

Mannhardt

Bis dato habe ich ja noch nicht viele Hörbücher gehört und doch komme ich immer mehr auf den Geschmack.
Bei dieser Geschichte sollte man sich auf gar keinen Fall von dem recht lustigen Titel ablenken lassen – denn diese Geschichte ist nicht lustig.
Dieses Hörbuch ist recht kurz, es mit seinen 28 Minuten aber einen Lückenfüller zu benennen wäre nicht fair. Dafür ist die Geschichte viel zu anspruchsvoll.
Der Stimme zu lauschen, die da in dem sonoren und sehr angenehmen Ton, über die Kopfhörer direkt in meinem Denkzentrum landete, war ein Erlebnis. Der Sprecher Matthias Ernst Holzmann hat es wirklich „drauf“ – das Sprechen. Gerade bei dieser Geschichte könnte man rasend schnell den Überblick verlieren, da es verteufelt viele Schachtelsätze gibt und ellenlange Wörter, wie eben den Nylonstrumpfmaschinenführer. Aber durch diese Art des Erzählen, der Stimme, dem Tonfall und den richtigen Pausen kam ein sehr hörenswertes Hörbuch bei raus.
Unser Mann – wie der Protagonist in der Geschichte immer genannt wird, verliert viel in der Geschichte, am meisten aber sich selbst.

Da ich zum „Nylonstrumpfmaschinenführer – Eine kleine Geschichte vom großen Wollen“ schon einmal eine Rezension geschrieben habe – halte ich Ihnen diese natürlich nicht vor.

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Meine REZE
NSION aus Mai 2016 zu dem Buch (das damals noch Wollen hieß) ~ bei Lovelybooks eingestellt:

„Manche Geschichten sind trotz ihrer Kürze oft so aussagekräftig und dem Autor Bernd Mannhardt ist mit „Wollen! Eine unangenehme Geschichte“ eine Tragik ohne Komödie gelungen.
Warum ohne Komödie? Weil mir das anfängliche Lachen ja wirklich schon sprichwörtig im Halse stecken blieb angesichts der Tragödie die sich da anbahnte.
Dieses kleine DIN A6 große-kleine Büchlein hat mich enorm beschäftigt, während dem Lesen und besonders danach.
Der Schreibstil ist für mich absolut ‚Mannhardtscher Style‘.
Er wickelt einen um die Finger, spielt mit Worten und hält dabei die ganze Zeit einen Spiegel hinter seinem Rücken versteckt, den er dann im richtigen Moment zieht.
Darüber bin ich aber kein Stück böse, sondern (wieder einmal) begeistert!!!

Mich hatte ja schon der Bayer Stegmeier an der Nordsee begeistert und noch mehr, der Berliner Kommissar Hajo Freisal mit herzlich-frecher Schnodderschauze.
Während es in diesen Büchern aber vorwiegend amüsant und heiter zugeht (ich lasse jetzt mal die Todesfälle außer acht) ist „Wollen“ ein Buch dem man sich stellen muss.
Die Geschichte ist unangenehm, wahrlich.
Grotesk vielleicht sogar angesichts dieses Wollen oder NichtWollen des Protagonisten.

Wie man etwas nicht mehr ‚Wollen kann‘ habe ich mich die ganze Zeit gefragt.
Einfach aufgeben, Schuld suchen wo keine ist oder doch.

Unser Mann, der Protagonist im Buch gibt auf, sich selbst, sein Umfeld, sein ganzes Leben und harrt da der Dinge, die unweigerlich auf ihn zukommen.
Dabei entsteht viel Raum zum Nach-und Überdenken, ohne das der Autor den Finger heben muss. Es ergibt sich einfach so, beim Lesen und Denken (wenn man beim Lesen denkt) wenn man es denn so will.
Da ist es wieder das WOLLEN.
Jeder will irgendwie, irgendetwas, irgendwo, irgendwann von irgendwem oder auch nicht. Und wenn das WOLLEN aus welchen Gründen auch immer verschwindet – ist das letztendlich dann nicht auch ein WOLLEN?
Das könnte ich endlos so weiterführen, eine ganz große Geschichte versteckt in einem kleinen Büchlein.
Potential zum diskutieren ohne Ende, ja das würde ich gerne WOLLEN.
Wolle, äh – volle Sternenzahl, also 5 von 5 für diese 56 Seiten.
c)K.B. 05/2016
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Dieses Hörbuch kann ich allen empfehlen, die gerne ernsthafte Geschichten möchten und auch vor dem wahren Leben nicht die Augen verschließen.
Aufgrund der Kürze des Hörbuches käme man in Versuchung es während einer Autofahrt zu hören – tun Sie es bitte nur als Beifahrer ~ alles andere wäre zu gefährlich, da man sich doch sehr auf diese Geschichte konzentriert 😉

Wünsche allen viel Hörspaß, auch wenn man gerade bei dieser Geschichte nicht weiß ob man nun schmunzeln oder traurig sein soll.

Rezension verfasst von © Kerstin

    Buchdetails
Titel: Der Nylonstrumpfmaschinenführer ~ Eine kleine Geschichte vom großen Wollen
Buchreihe: Einzelband 
Autor: Bernd Mannhardt
Sprecher: Matthias Ernst Holzmann
Verlag: HÖRMAL!

ISBN: 4250618890555
Erscheinungsdatum: 15.12.2016

56 Seiten ODER 1 CD || 00:28 Std.
          Kosten
Paperback: 6,80 €
E-Book: 1,99 €
Audio: 8,00 € 
Download: 2,75 €

5 Gedanken zu „„Der Nylonstrumpfmaschinenführer“ von Bernd Mannhardt [Hörbuch]

  1. Huhu,
    so kurze Geschichten als Hörbuch kenne ich noch gar nicht.
    Werde mich damit mal näher befassen wenn ich wieder etwas mehr Luft habe.
    Im Moment sind da noch so viele andere Hörbücher die ich unbedingt hören möchte.
    Trotzdem, eine sehr interessante Vorstellung!
    Liebe Grüße
    Ela

  2. Mit dieser Kombination aus Buch- und Hörbuchvorstellung hast Du mich gepackt. Die Geschichte interessiert mich. Ich weiß nur noch nicht, ob ich sie hören oder lesen möchte – in irgend einer Form werde ich sie mir auf jeden Fall näher ansehen.

    LG Gabi

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