Rezension

„Der Mordfall Franziska Spiegel“ von Norbert Sahrhage

Inhalt laut Pendragon Verlag

„August 1948: Kriminalinspektor Zöllner schlägt eine alte Akte auf – den Fall der Jüdin Franziska Spiegel, der nie aufgeklärt wurde. Zwei SS-Männer sollen sie wenige Monate vor Kriegsende im Hücker­holz bei Spenge erschossen haben. Er will die Täter finden.
Während der Zeit des Nationalsozia­lismus musste Zöllner seinen Beruf als Polizist aufgeben. Nun trifft er überall auf alte Nazis, auch unter seinen neuen Kollegen. Aber Zöllner bleibt hartnäckig und ermittelt weiter. Als noch ein Mord geschieht, weiß Zöllner, dass er auf der richtigen Spur ist. Schließlich dringt er zu den Tätern vor, aber eine Mauer des Schweigens schützt sie.“

Eindringlich und mit historischer Genauigkeit beschreibt Norbert Sahrhage den Umgang mit der national­sozialistischen Vergangenheit in der Nachkriegszeit. Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit.

Der Mordfall Franziska Spiegel

„Machen Sie um die Sache nicht zu viel Aufhebens, es handelt sich doch nur um eine Jüdin.“ (S. 35)

Dieser eine Satz spiegelt die ganze Geschichte des Buches wider. Besonders dieses eine Wort „nur“. Eine ermordete Frau, ein zurückbleibender Ehemann und Sohn und ein Kriminalinspektor, der aufgrund persönlicher Erfahrungen während der Nazizeit, unbedingt herausfinden möchte wer der Mörder war und vor allem wer den Auftrag dazu gegeben hat.

Der Mordfall Franziska Spiegel ist real – die Personen im Buch, allen voran der Ermittler Zöllner, sind fiktiv. Eine zeithistorische Geschichte, die mit Wahrheit gespickt ist und durch Charaktere ergänzt wurde um dieser einen toten Frau ein Gesicht zu geben.

„Das ist doch im Krieg geschehen, sagte er. Wir sollten das Kapitel abschließen.“ (S. 166)

Es hat mich stellenweise sehr wütend gemacht, die Gewissheit, dass von heute auf morgen aus den Bösen wieder die Guten wurden. Das Stellen vergeben wurden von Personen an Personen die kurz zuvor noch fleißig damit beschäftigt waren zu denunzieren, zu vertreiben, zu morden. All das kommt im Buch sehr gut rüber und mit dem Protagonisten Zöllner ist es dem Autor gelungen einen glaubwürdigen Charakter zu zeichnen. Einen Menschen den man mag, den man verstehen kann und mit dem man auf diese Ermittlungsreise geht.

Die Aufteilung im Buch ist sehr gelungen. Der erste Teil widmet sich den Geschehnisse im Jahre 1944. Wer, wie und wann. Viele Namen und militärische Ränge, Geschehnisse vor, während und nach der Ermordung von Franziska. Hier musste ich höllisch aufpassen – und war froh über die Auflistung aller Hauptpersonen die am Anfang des Buches aufgeführt sind.

Der zweite Teil geht im Jahre 1948 weiter. Der Zeitsprung von 4 Jahren ist allerdings kein Verlust speziell für diese Geschichte, da sich nach der Tat eh keiner um Aufklärung scherte. Erst mit Zöllner werden die Ermittlungen wieder aufgenommen, was nur der Hartnäckigkeit des Ehemannes von Franziska zu verdanken ist.

Die Ermittlungen werden sehr zeitgerecht dargestellt. Es waren oftmals tagelange Reisen notwendig um Zeugen zu befragen. Wenn überhaupt noch Zeugen da waren. Denn nicht alle hatten den Krieg überlebt. Eine Sisyhus-Arbeit um Personen ausfindig zu machen – so ganz ohne Handy & Co. Telefonate, wenn überhaupt waren nur mittels Verbindungsstelle möglich. Das Dienstfahrzeug musste im Voraus angefordert werden. Damalige Alltäglichkeiten eben.

Was ebenfalls sehr gut beschrieben wurde, sind die „Wandlungen“ der Personen – auf einmal waren alle unschuldig, keiner war Täter – allenfalls Mitläufer. Kaum einer wurde zur Rechenschaft gezogen. Was mit Sicherheit auch an der Unterstützung derer lag, die selbst nach dem Krieg ihre persönliche Einstellung nicht geändert hatten, sondern perfekt tarnten und genauso weitermachten.

Die Geschichte ist sehr nüchtern beschrieben – Gefühle und Emotionen findet man nicht in überschwänglicher Art und Weise und doch gibt es mehr als genug Stellen, die einen sehr berühren.
Eine kaltblütig ermordete Frau hat mit diesem Buch, auch ohne Bild, ein Gesicht bekommen.


Franziska Spiegel, geb. Goldschmidt
geboren 06.05.1905 in Werl
ermordet 04.11.1944 in Hücker-Aschen

Es ist fast schon eine Art Dokumentation, die mich in Nachhinein zu weiteren Nachforschungen antrieb.
Ich war mit dem Prolog noch nicht ganz zufrieden. Zu viele offene Fragen meinerseits. Bei solchen Geschichten möchte ich noch viel mehr über den Hergang , die Menschen und die Folgen wissen. So zum Beispiel der polnische Fremdarbeiter Jan, was wurde aus ihm?

Auf der Seite des Ortes Hücker Aschen wurde ich dann fündig.

Auf jeden Fall ein sehr lesenswerter Kriminalroman.

Rezension verfasst von © Kerstin

 

    Buchdetails
Titel: Der Mordfall Franziska Spiegel
Buchreihe: Einzelband
Autor: Norbert Sahrhage
Verlag: Pendragon

ISBN: 978-3-86532-570-9
Erscheinungsdatum: 31.10.2016

240 Seiten
          Kosten
Paperback: 13,00 €
E-Book: 10,99 €

3 Gedanken zu „„Der Mordfall Franziska Spiegel“ von Norbert Sahrhage

  1. Das Buch hab ich letztes Jahr in der Verlagsvorschau gesehn, aber da erstmal einen großen Bogen drum gemacht, da ich auf so zweite Weltkrieg-Geschichten Lust haben muss. Da ich im April eh vor habe, mal wieder mehr aus dem Verlag zu lesen, wandert dieses Büchlein mal in den engeren Kreis 😉

    1. Geht mir ja fast genauso – nach solch einem Buch muß ich immer erst wieder etwas fiktives lesen um runterzukommen.
      Bis April gibt es bestimmt wieder ganz viele neue Bücher, ich darf in die Vorschauen gar nicht mehr reinschauen; -)
      Liebe Grüße

      1. Ich guck so gut wie gar nicht mehr rein, sondern stöber bei den Blog-Vorschauen rum – aber nach der LBM werd ich sicher wieder stöbern gehen 😛

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