„Der Mörder und das Mädchen“ Sofie Sarenbrant

Inhalt laut Klappentext

„Noch einen Tag – dann, glaubt Cornelia, hat ihr Martyrium ein Ende, dann zieht sie mit Astrid, ihrer sechsjährigen Tochter, aus ihrem Haus aus und kann Hans, ihren gewalttätigen Mann, endlich verlassen. Doch am Morgen findet sie Hans tot im Gästezimmer. Emma Sköld, hochschwanger und sehr ehrgeizig, übernimmt den Fall: Für sie ist Cornelia die erste Verdächtige, doch es gibt auch eine andere Spur: Die kleine Astrid will in der Nacht einen Mann neben ihrem Bett gesehen haben, der sie gestreichelt hat.“

„Jahre des Schmerzes, des Kummers und der Verleugnung könnten bald zu Ende sein.“ (S. 10)

Der Einstieg ins Buch offenbart direkt dass da etwas nicht stimmt zwischen Cornelia und ihrem Mann Hans. Es sind nur wage Aussagen, aber es liest sich deutlich heraus dass Cornelia in stetiger Regelmäßigkeit und schon seit sehr langer Zeit von ihrem Mann misshandelt wird. Wahrscheinlich hatte es sich Cornelia anders vorgestellt – die Trennung von ihrem gewalttätigen Ehemann Hans. Endlich ohne Angst leben zu können und ihrer 6jährigen Tochter ein zu Hause ohne Gewalt zu bieten. Das ausgerechnet ein Mörder dafür sorgt dass all ihre Probleme an einem Tag oder besser gesagt in einer Nacht zu Ende sein sollen, bringt sie nicht wirklich in einen Gewissenskonflikt. Das Schwein ist tot und ihr Leben kann, auch dank des anstehenden Hausverkaufes, richtig gut werden.

Hier kommen allerdings die polizeilichen Ermittlungen ins Spiel. Emma Sköld ist die verantwortliche Ermittlerin, zum ersten Mal schwanger und auch noch die Schwester von Cornelias einziger Freundin Josefin. Schnell steht Cornelia ganz oben auf der Liste der Verdächtigen und es kommen Fragen auf,  viele Fragen. Zum Beispiel warum nie irgendjemand die Misshandlungen oder zumindest Spuren davon gesehen haben. Hat das wirklich keiner? Denn wer hätte Hans sonst töten sollen? Und warum?

Der Einstieg ins Buch beginnt mit dem Mörder. Man weiß es einfach aber man kann ihn nicht identifizieren. Sehr lange Zeit sogar nicht, eigentlich bis zum Ende hin. Aufmerksame Leser oder solche die es mögen eigene „Ermittlungen“ zu führen haben ab einem bestimmten Zeitpunkt aber eine Ahnung – ich auch und siehe da, es hat gepasst. Der Weg dorthin war geprägt von sehr vielen Personen, die alle irgendwie einen Grund zu diesem Mord gehabt hätten.

„Die Leute glauben immer, sie könnten etwas verbergen, indem sie sich möglichst korrekt ausdrücken, aber ihre Körpersprache verrät mehr, als sie denken.“ (S. 75)

Gerade die Anzahl der vielen Männer und Frauen in diesem Buch haben mich anfänglich etwas irritiert. Wer ist jetzt nochmal wer und hängt wie mit wem zusammen? Das wurde im Laufe des Buches besser und letztendlich konnte ich alle zuordnen. Durch diese Vielzahl an Personen wurden aber auch Möglichkeiten offengelegt. Wer hätte einen Grund Hans zu töten? Wer hatte Zeit dazu und wer die Skrupelosigkeit? Wollte jemand Cornelia und der kleinen Astrid helfen? Oder war es einfach nur eine Zufallstat?

Dieser Thriller ist sehr ruhig und verliert hier und da mal die Spannung durch die vielen Erzählungen um Cornelia. Ihre Tochter Astrid, dass Mädchen dass den Mörder sah, ist ein besonderes Kind. Sehr intelligent aber zurückhaltend und fast schon in einer eigenen Welt lebend. Sie geht leider etwas unter, hat aber dennoch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Hier noch die Frage, wen hat Astrid überhaupt gesehen? 

Was mir sehr gut gefiel war der Aufbau der Geschichte, dieses Wissen um den unbekannten Mörder und eben sehr lange Zeit dieses Nichtwissen warum. Dieses konstante Aufbauen von Zusammenhängen und von einer Person zur nächsten. 

„Liegst du jetzt schlaflos da und fragst dich, was die Sache für dich bedeuten könnte?“ (S. 170)

Wenn viele Protagonisten mitwirken steigt auch die Zahl der Verdächtigen und der Motive. Hier kam wirklich einiges zusammen und siehe an – da haben einige so richtig Dreck am Stecken. Zwischenmenschlich tut sich auch einiges, denn aus eitel Sonnenschein wird auf einmal Trübsal. Aus Verflossenen werden miese Stalker und irgendwie hintergeht jeder Jeden. Genau deswegen ist dieser Thriller sogar eher ein Psychothriller.

Die Autorin Sofie Sarenbrant lässt ihre Protagonisten leiden und zweifeln, sie zeigt die ‚Normalen‘ auf den Weg in den Abgrund und alle beschriebenen Emotionen kamen eben sehr menschlich rüber. Alle Beweggründe der Einzelnen machten Sinn und ich wurde öfters überrascht dass so manche glänzende Fassade irgendwann anfing zu bröckeln.

Es hat Spaß gemacht, trotz der gelegentlichen Längen. Mir gefiel diese Ich-Form des Mörders schon ab der ersten Zeile. Ihm nachzufolgen in den einzelnen Kapiteln und ihm dabei immer mehr auf die Schliche zu kommen, war eine lesenwerte Herausforderung.

Rezension verfasst von © Kerstin


    Buchdetails
Titel: Das Mädchen und der Mörder
Buchreihe: Einzelband

AutorIn: Sofie Sarenbrant
Verlag: Rütten & Löning [Aufbau Verlag]

368 Seiten

Erscheinungsdatum: 13.02.2017
ISBN: 978-3-352-00893-1  [Paperback]
Kosten
Paperback
: 16,95 €
E-Book: 12,99 €

10 Kommentare

  1. Hi Kerstin,
    Eine schwangere Ermittlerin? Dürfen die, rein theoretisch, überhaupt arbeiten? Ist ja gefährlich und so. Habe ich glaube ich, noch nie bzw. wenn dann nur kurz, gelesen. 😀
    Eine sehr ausführliche Rezension! 🙂
    Liebste Grüße,
    Elli

    1. Hallo Elli,
      ich will nicht spoilern, aber es wissen noch nicht viele auf ihrer Dienststelle – denke aber das schwangere Polizistinnen in den Innendienst versetzt werden, es wäre wirklich zu gefährlich für Mutter und Kind, da gebe ich dir absolut recht.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Dieses Buch wartet auch auf meinem elektronischen SUB und Deine Rezension dazu klingt vielversprechend. Eigentlich finde ich viele beteiligte Personen ja immer ein bisschen irritierend und ich neige auch schnell dazu, sie durcheinanderzubringen, aber das Argument, dass dann viele Verdächtige und eine nicht von vorneherein durchschaubare Lösung möglich ist, überzeugt mich dann auch wieder. Ich bin sehr gespannt, Danke für Deine Einschätzung.

    LG Gabi

    1. Hallo Gabi,
      am Anfang hatte ich echt Probleme die Einzelnen auseinander zuhalten. Aber es hat sich dann zum Glück gelegt. Vielleicht auch weil ich in einem Rutsch gelesen habe.
      Liebe Grüße
      Kerstin

      1. Wenn ich das vorher weiß, kann ich mir immer noch eine Liste mit Stichpunkten zu den einzelnen Leuten anlegen. Das hat mir schon manches Mal gehofen.

        LG Gabi

    1. Hallo Silvia
      als Hörbuch kann ich es mir richtig gut vorstellen. Gerade dieses Ich-Erzählen des Mörders kommt da bestimmt richtig gut rüber.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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