„Der König der Schweine“

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Cover: © Haymon

Kabarettreife Vorstellung

Man(n) muss ja immer aufpassen wie man(n) eine Frau betitelt ~ da ich aber eine Frau bin, darf ich das ~ Kitty Muhr ist einfach eine coole Sau!
Fast vierzig, ledig, keine Kinder (Glücksfall? – für die Kinder?), Polizistin, Wienerin, sexistisch veranlagt, geplagt mit nervender Mutter und noch nervender Schwester und noch viel mehr nervender Freundin bekommt einen Höhepunkt der besonderen Art.

Aber erst einmal kurz zur Story:
Ein Toter, seltsam an einem Mountainbike ‚drapiert‘ gibt der Polizei Rätsel auf. Damit der Fall schnellstens geklärt wird, bekommt Kitty Muhr nicht nur diesen zugewiesen sondern gleich einen neuen Kollegen. Ali Khan Kurtalan – Kriminalpsychologe, mit kurdischem Migrationshintergrund, soll helfen den Mord an dem jungen Mann aufzuklären. Was gar nicht so einfach wird, da Kitty scheinbar gegen jeden etwas auszusetzen hat, sogar gegen sich selbst

„Den hat man uns von ganz oben ins Nest gelegt“ (Buch Seite 47)
Kitty und Ali sind kein Dreamteam, aber sie könnten es werden. So grundverschieden wie beide sind, kann es ja eigentlich nur gutgehen. Ali ist zu intelligent, als das er sich etwas draus macht, aus Kittys derben und vulgären Sprüchen. Ihren gewalttätigen Judoeinlagen und obssesiven klischeetreibenden Gedanken. Denn Kitty hat durchaus das Herz an der richtigen Stelle, nur ist da einfach zu viel im Weg, am meisten aber sie selbst.

Wer hier einen Krimi mit sympathisch wirkenden Protagonisten erwartet hat zu viel erwartet. Außer Ali trumpft nicht wirklich einer mit heldenhaften und lobhudelswerten Einlagen auf. Auch der Kriminalfall an sich braucht sehr lange um in Fahrt zu kommen, dafür ist Kitty einfach zu strange und stiehlt allen und allem die Show. 

Unterhaltsam ist es aber trotzdem oder genau deswegen. Schon irre wie schnell man zum voyeuristischem Leser wird und alles, wirklich alles erfahren will über diese Frau und ihre Gewohnheiten und Ungewohnheiten.

Es hat mich zum Dauergrinsen gebracht und auch wenn ich nicht alle Meinungen Kittys vertrete, so ein klitzekleines bisschen mag ich sie schon. Nein, gelogen, ich mag sie sogar sehr. Gerade weil Kitty so total anders ist und das hat der Autor spitzenmäßig rübergebracht. Wahrscheinlich hat er sich beim Schreiben auch einen zurecht gegrinst und die Ernsthaftigkeit eines ‚traditionellen‘ Krimis einfach mal nicht ernst genommen. Das sollte man nämlich auch mit Kitty machen, sie einfach nicht ernst nehmen, sondern so wie sie ist ~ schräg, abgedreht, manchmal böse, sehr oft sehr böse und doch ein herzallerliebstes Wesen mit dem ich nie (NIE) in eine Bar gehen würde.

Slapstickhaft wuselt sich Kitty durchs Buch, die Geschichte und den Kriminalfall, so manche Szenerie hat mir ein Kopfschütteln und ‚an die Stirn greif‘-Geste eingebracht, aber eben immer mit Unterhaltungswert.

Kopfkino kann der Autor jedenfalls und wenn es eine Fortsetzung mit Kitty und Ali gibt bin ich dabei. Denn manchmal muss sowas einfach sein.

Übrigens, anfänglich dachte ich noch der Autor will hier eine Unperson zeichnen aufgrund der Klischees deren Kitty und so manch anderer erlegen ist. Vielleicht hält er aber auch nur einen Spiegel hin?!
Wer mehr wissen will, auch über das Motiv und wer denn nun der wahre König der Schweine ist ~ lesen.

„Ich bin Kitty, das kleine Kätzchen. Schnurr, schnurr.“ (Buch Seite 273)
Hahahaha…..vergesst es, sie lügt nämlich auch!
😂

Ein herzliches Dankeschön an den Haymon Verlag für das Rezensionsexemplar.

4 von 5 Sternen
[Bewertungssystem]

Buchdetails
Titel: Der König der Schweine
Erscheinungsdatum: 10.10.2016
AutorIn: Manfred Rebhandl

Verlag: Haymon

          Kosten 
Paperback: 12,95 €
E-Book: 9,95 €
ISBN: 978-3-7099-7860-3

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