„Der Jonas-Komplex“ von Thomas Glavinic

Der Jonas-Komplex

 

Erscheinungsdatum: 10.03.2016
AutorIn: Thomas Glavinic
Verlag : S. FISCHER
ISBN: 978-3100024640
Fester Einand: 752 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 24,99 €

 


4,5 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Janna
16.05.2016

Die Frage des Seins …

… der eigenen Existenz, sich spüren & herausfordern, die Auseinandersetzung mit sich & der Welt.
Dies habe ich als Kernpunkt dieser Geschichte(n) empfunden. Mal leicht und sachte, mal Wortgewandt & schwer und wiederum poetisch & lyrisch.

Drei Charaktere: ein wiener Schriftsteller, ein dreizehnjähriger Junge & Jonas. Charaktere die nicht unterschiedlicher sein & leben könnten und doch so viele Parallelen aufweisen, ohne jedoch die gleiche Person zu sein.

Das erste „Wien“ hat mich bereist in seinen Bann gezogen!
Es läutet. Es läutet. Es läutet. Es läutet. Es läutet. Es läutet. Vor der Tür stehen entweder
a) der Wahnsinn oder
b) die Polizei
.“

Heute ergänze ich mein pharmakologisches Menü durch zwei Schmerztabletten.“
Sie hat recht, ich muss mich einkriegen und Pause machen. (…), und wovon soll ich Pause machen, vom Leben?
Der Lift in meinem Haus war in seinem früheren Leben garantiert Polizist oder Justizvollzugsbeamter. Er handelt vollkommen nach eigenem Gutdünken, (…)
So sind auch die weiteren Kapitel / Abschnitte eingeteilt, die Orte in denen sich die Charaktere aufhalten.

Und ich muss gestehen, nach dem ersten „Wien“-Aufenthalt brauchte ich erstmal einige Seiten um voll und ganz in der Geschichte anzukommen, mich darauf einzulassen. Ob es daran liegt das diese mein erstes Buch des Autoren ist, ob es an diesem für mich völlig anderem Schreibstil, Aufmachung der Geschichte liegt!? Ich kann es nicht beantworten, aber(!) nachdem ich eingetaucht war wollte ich gar nicht mehr heraus! Es sind die Grundfragen die jeden von uns irgendwann beschäftigen, ob nun intensiv oder zögerlich, jeder kann sich identifizieren.
Was denkt in mir? Bin das ich?
Leben an sich ist zwar ein von vorneherein zum Scheitern verurteilter Versuch. Aber es ist ein heroischer, romantischer Versuch.

Weder der wiener Schriftsteller noch sein Kind erhalten einen Namen innerhalb dieser Geschichte – ein exzessiver Schriftseller: Partys, Alkohol, Drogen, Sex und mit einer Mutter Teresa unter den Exfrauen. Ein Mann der in der Welt lebt und sich nur zu Hause mit dem Kind fühlt. Ein Mann mit sexuellen Erlebnissen, die sich andere nicht mal im Traum vorstellen!
Aus der Ich-Perspektive wird von skurrilen Erlebnissen & Charakteren berichtet, gelitten und gelebt.

Jonas lebt in Tokio, mit seinem fragwürdigem Anwalt Tanaka und seiner großen Liebe Marie. Jonas der mit Toten spricht, sich in der Welt verstecken lässt & sich mit Marie auf die Südpolwanderung vorbereitet.
Aus Sicht der dritten Person erfahren wir die tiefgehenden Selbstzweifel, das Suchen nach sich selbst.

Und dann ist da noch das einsame dreizehnjährige Schachgenie. Uriella, so hat er die Person getauft bei welcher er leben muss. Einsam hinterfragt er die Welt und sich selbst, träumt sich in die Zukunft. Sein bester Freund ein schizophrener Erwachsener.
Auch hier wird aus der Ich-Perspektive erzählt, lässt den Leser an Momenten teilhaben die nicht wirklich gegriffen werden können & lässt den Leser leiden, hoffen …

Ich denke es ist ein Buch mit welchem der Leser sich identifiziert, sich auf die Existenz-Reise begibt, sich in die Geschichte fallen lassen kann & eine Hauch von wehmütigem Abschied auf den letzten Seiten verspürt … oder eben genau umgekehrt … Ich kann nur sagen: ein Versuch des Lesens ist es wert!

1 Kommentar

  1. Dieses Buch ist auf meinem SuB und ich kann es gar nicht mehr erwarten es zu lesen. Schon die vorherigen Bücher von ihm fand ich absolut wahnsinnig!!! Momentan habe ich mich aber hinter Thrillern versteckt …Wegen eh schon wissen XD

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