Rezension

„Der Geranienmann“

Der Geranienmann

 

Erscheinungsdatum: 23.03.2016
AutorIn: Rainer Kurlemann
Verlag: Sutton

ISBN: 978-3954006694
Flexibler Einband: 248 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 12,99 €

 


4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Kasin
24.04.2016

Fluch oder Segen? Ein Krimi mit Thrillereffekten

Das Thema um die Gentechnik, gepaart mit einem Krimi hat mich sehr angesprochen, denn bereits die Leseprobe war vielversprechend und neugierig machend.

Der Autor Rainer Kurlemann hat mit „Der Geranienmann“, erschienen im Sutton Verlag, die Thematik um Gentechnik in all ihren Facetten dargestellt. Man merkt deutlich das er sich auskennt, als Naturwissenschaftler und Wissenschaftsjournalist hat er viel Wissen in diese fiktive Geschichte gepackt.

Aber erst einmal kurz zur Story:

Johannes Wittjer ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Genanalyse. Seine Analysen dienen oft genug der Polizei bei der Indentifikation von Verbrechern und nun ist seine Hilfe wieder gefragt. Der brutale Mord an einer jungen Frau, ermordet ohne Hinweis auf Täter und Motiv soll mittels Wittjers Hilfe aufgeklärt werden.

Doch Wittjer hat mehrere ‚Baustellen‘, so dienen seine Analysen auch als Statistiken für gut zahlenden Kunden der Proffesorin Dorllin.

Wer das nötige Kleingeld besitzt kann sich, seine Kinder, die Angestellten oder potentielle Superstars auf Herz und Nieren prüfen lassen. Dabei kommt nicht für jeden das gewünschte Ergebnis raus und irgend jemand scheint sauer zu sein, auf Wittjer und alle um ihn herum. Sehr sauer sogar.
Das menschliche Genom hält einiges parat und auch vieles zurück. Unsere Anlagen werden wohl nur zum Teil genutzt und doch haben wir noch so viel Potential, wenn es denn entdeckt und gefördert wird.Auch Krankheiten sind ‚hinterlegt‘ und bei entsprechendem Lebensstil, könnten diese vermieden werden.
Genauso oder so ähnlich ist die Devise von Frau Professor Dorllin, die mir in diesem Buch als furchtbar unsympathische Protagonistin ohne Gewissen und Moral immer ins Auge sprang. Sie siebt aus, sie selektiert, sie spielt Gott!Ihre Kunden vertrauen ihr und lassen sich bzw. die Gene genaustens prüfen um vorzubeugen, selbst auszusieben und im schlimmsten Fall einzugreifen. Die dargestellten Konsequenzen waren übelst.
Diese Protagonistin war so gut dargestellt und obwohl ich sie ja gar nicht mochte würde ich schon alleine für diese Charakterstudie alle Sterne geben.
Johannes Wittjer ist vielbeschäftigt, oder doch eher all diese Computer und Maschinen die er sein eigen nennt. So hat er Zeit seine gute Freundin Henrike regelmäßig zu besuchen um den Fortschritt in Sachen Pflanzen und Naturkunde voranzutreiben.
Denn auch Henrike hat eine Menge Ahnung, aber sie hat es eher mit Tieren- und Pflanzengenen.
Die Geranien spielen dabei eine große und berauschende Rolle.Gemeinsam mit Henrike wird analysiert und diskutiert, jeder schleppt sein Päckchen aber den anderen verstehen tut letztendlich doch keiner. Trotzdem sind sie ein tolles Team.
Der Kriminalfall im Buch geht trotz der ausführlichen Beschreibungen nicht unter. Es wird spannend und bleibt es auch. 
So manch suspekte Gestalt offenbart sich als äußerst gewalttätig und alleine der Fund im Reiskocher war grauenvoll. 
Der Schreibstil war durchgehend flüssig und auch alles beschriebene sehr gut verständlich.
Ein Regionalkrimi der fast schon was von einem Wissenschaftsthriller hatte.
Lediglich ein Teil der Geschichte fand ich schon arg inszeniert, da hätte weniger mehr gemacht. Namen sind Schall und Rauch und gerade in einer fiktiven Geschichte brauche ich keine Stars, Politiker oder sonstige Gestalten. 
Klasse dagegen war das Nachwort, hier gab es dann doch noch die ein oder andere Überraschung – und sie leuchten doch!
Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Sternen für eine sehr interessante und unterhaltsame Geschichte die durchaus Diskussionen aufwirft und die Frage nach Wissen und Gewissen gleichermaßen stellt.

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