Rezension

„Der Club“ von Takis Würger [Hörbuch]

Inhalt laut Klappentext

„Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine einzige Verwandte ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er nicht, worauf er sich einlässt. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden, und verliebt sich in die reiche Charlotte. Schon bald muss er feststellen: Vor der Kulisse alter Chesterfield- Sessel, kristallener Kronleuchter und Tiertrophäen ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen.“

Was soll ich sagen ~ ein Hörbuch, dessen Geschichte mich als Print, aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht so erreicht hätte. Vielleicht liegt es daran, dass jede der Personen eine eigene Stimme hat und der Erzähler hier und da einleitet, weiterleitet und drumherum und mittendrinnen immer wieder die Geschichte an sich reisst, um einen als Hörer weiter zu führen.

Sieben Personen dominieren diese Geschichte:
Hans, der deutsche Junge
Alexandra Burke, seine Tante
Angus, der gealterte Studienfreund von Alex
Charlotte, Angus Tochter
Peter Wong, ein Studienkollege von Hans
Josh (oder George?), ebenfalls einer der Studierenden
Magic Mike, ein Freund von Hans

„Manche werden seltsam, wenn sie bei uns aufgenommen werden.“

Der Start in die Geschichte beginnt liebevoll. Hans, als kleiner Junge immer von seinen Eltern geliebt und unterstützt. Man könnte es als langatmig bezeichnen, aber erst wenn man Hans Geschichte kennt, kann mal viele seiner Handlungen und Gedanken erst nachvollziehen. Der kleine Kerl, immer etwas seltsam und schräg, nie mutig oder risikoreich, lernt dank der Unterstützung seines Vaters das Boxen von der Pike auf. Seine Eltern lieben ihn und er liebt seine Eltern, und dann verliert er beide. Halt gibt ihm seine Tante Alex, sie scheint sehr verschroben zu sein, nicht ganz normal, bis zu dem Zeitpunkt wenn man sie genauer kennenlernt und was sich hinter ihrer Fassade verbirgt.

Damit geht es ab nach Cambridge, nicht weil Hans dies wünscht, sondern weil seine Tante ihn braucht. Hans bekommt eine Rolle zugeteilt, die er nur zögerlich annimmt. Seine Boxkünste und Alex Einfluss, tragen dazu bei dass er in dem berühmt-berüchtigten Pitt-Club aufgenommen wird. Und genau dort soll er seine Rolle spielen und das macht er hervorragend.

„Die Macht, manche können nicht damit umgehen.

Mir hat diese ruhige und bedachte Erzählwiese aller SprecherInnen gefallen. Jede einzelne Rolle hat seine Kapitel, es wechselt hin und her und doch behält man den Überblick. Es wird meistens der Name der Person genannt, wenn ein neues Kapitel beginnt und im Laufe der Zeit wusste ich sofort, wer da gerade erzählte nur aufgrund der unterschiedlichen Stimmen. Sehr vielfältig und doch individuell. 

Mir ging es wie Hans, die elitäre Gesellschaft des Pitt-Clubs und all derer die sich in und um Cambridge tummeln, verursachten mehr als einmal Staunen und Kopfschütteln. Die einen sind aus Spaß an der Sache dabei, andere voller Ehrgeiz und Zukunftsvisionen und dann waren da diejenigen, die abheben, durchdrehen und meinten ihnen gehört die Welt und vor allem die Menschen. Ohne Rücksicht wird den tradionellen Gelagen gefröhnt und so manche bleibt dabei auf der Strecke. Letztendlich geht es um Party und um Sex, mit der Folge dass die Frauen eher als Freiwild angesehen werden und wer nicht will wird willenlos gemacht. Ganz einfach, ganz problemlos und keinen kümmerts. Keinen? Oder keine? Schmutzige Wäsche die da stapelweise herumliegt und es ist an Hans, seine Moral und das Gewissen von so manch alteingesessenem rein zu waschen. Aber wie das so ist, im Laufe der Jahre setzt es Gilb an und der bleibt.

„Stark sein, bedeutet dass man Verantwortung tragen muss.“

Diese Geschichte ist stark an Persönlichkeiten und Charakteren, an Handlungen und Schicksalsschlägen. Sie ist voller Gewalt, Missachtung und Missverständnissen. Aber sie ist auch voller Liebe und Zuneigung. Reich an Vertrauen und der Gewissheit dass es Mut bedarf um Dinge aufzudecken, die manchen lieber im Verborgenen geblieben wären. Macht ist Wissen, bei einigen allerdings ist sie Dummheit und Ignoranz, Selbstsucht und Gier nach noch mehr Macht. Takis Würger hat sehr eindrucksvoll geschildert wie angreifbar diese Art der Macht doch ist, wenn man nur die richtigen Leute hat, und Zeit. So mancher Verrat entpuppt sich als ehrbare Handlung.

Von mir gibt es eine absolute Hörempfehlung für alle, die es lieber ruhiger angehen um sich dann, (trotz aller Klischees) doch in eine stetige Steigerung der Geschichte fallen zu lassen.

Frei nach Peter Wong ~ Losung des Tages: Hören!

Rezension verfasst von © Kerstin

    Buchdetails
Titel: Der Club
Buchreihe: Einzelband

Autor: Takis Würger | Erzähler: Matthias Koeberlin – weitere SprecherInnen: Anna Maria Mühe, Frauke Poolman, Helmut Stanke, Jonas Minthe, Louis Friedemann Thiele, Takis Würger, Bernd Kuschmann

Verlag ~ Print: Kein & Aber | Hörbuch: Headroom Productions
ISBN: 978-3-96102-022-5 [Audio-Download, 5 Stunden, 41 Minuten, ungekürzte Lesung, 17,90 €]

6 Gedanken zu „„Der Club“ von Takis Würger [Hörbuch]

  1. Hallo liebe Kerstin,
    eine schöne Rezension! Das Buch steht schon länger auf meiner Wunschliste, habe aber bisher eher durchmischte Meinungen dazu gehört. Vielleicht probiere ich es einfach auch mal mit dem Hörbuch 😀

    Viele liebe Grüße,
    Nadine
    #litnetzwerk

    1. Hallo liebe Nadine,
      Dankeschön für Deinen Besuch.
      Als Hörbuch kann ich es absolut empfehlen. Mochte diese verschiedenen Stimmen ungemein. Dadurch hat alles eine sehr persönliche Note bekommen.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Hi Kerstin,
    ich hab das auch öfter, dass ich Hörbücher dem Buch bevorzuge, gerade bei Thrillern.
    Die Sprecher können Spannungsbögen und Atmosphären einfach noch mal verstärken, was mir manchmal bei gewissen Handlungen in Büchern eben nicht gelingt.
    Ich werd mir das Hörbuch mal merken 🙂
    LG Ela

    1. Ups – ich habe Dein Kommi übersehen – bitte entschuldige.
      Jetzt aber
      Hallo liebe Ela,
      absolut, die Stimmen machen echt was aus. Mir ist das bei ‚Drei Meter unter Null“ so richtig aufgefallen – diese Wut die man sich zwar erlesen kann aber wenn man sie ins Ohr gesprochen bekommt ist es einen ganz anderes Erlebnis.
      Liebe Grüße
      Kerstin

  3. Waaas? Du glaubst, als Print hätte dir das Buch nicht gefallen? :O
    Aber mit den verschiedenen Leser, das klingt schon schön. Mir haben neben den interessanten Charakteren und dem Setting besonders der ruhige Schreibstil gefallen. Alles wird so unaufgeregt geschildert. So kann man auch die krassen Szenen besser ertragen, finde ich.
    Naja, das ich ein Fan des Buches bin, das brauche ich dir ja nicht zu erzählen… 😉
    Freut mich, dass es dir als Hörbuch auch gut gefallen hat.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hey Julia,
      nein, nein, nicht missverstehen. Als Print hätte es mir auch gefallen aber als Hörbuch fand ich es großartig. Bei einem Print hätte ich bestimmt die ein oder andere Stelle überlesen.
      Gerade dieses Ruhige hat Spaß gemacht und durch die Stimmen hat es mir richtiges Kopfkino beschert.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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