Rezension

„Der Angstmann“

Der AngstmannCover: © dtv premium

Monster im Krieg

„Der Angstmann. Wir hatte ihn alle schon vergessen, nun ist er wieder da.“ (Buch Seite. 219)

Max Heller, Kriminalinspektor und Protagonist in diesem Buch, könnte man als absolut ’normal‘ bezeichnen. Beruflich voll engagiert, liebevoller Ehemann und Vater zweier erwachsener Söhne. Wäre da nicht die Zeit, in der dieser Kriminalroman ’spielt‘. Dresden, 1944, Kriegsdeutschland, Nazireich. Eine Zeit voller Gräuel und Entbehrungen. 

Der Autor Frank Goldammer hat mit dieser fiktiven Kriminalgeschichte eine reale Zeit auf beeindruckend ehrliche Weise wiedergegegeben. 

Aber erst einmal kurz zur Story:
Mitten in den Kriegswirren wird eine Frauenleiche entdeckt. Es war Mord und zwar ein sehr grausamer. Der Kriminalinspektor Max Heller begibt sich auf Spuren- und Motivsuche. Dabei stößt er ständig an seine Grenzen, oft genug auch an solche die von anderen gesteckt werden. In einer Stadt in der Tausende um Abertausende täglich um ihr Überleben kämpfen, bekommt die Aufklärung eines einzigen Mordfalls kaum Gewicht. Ein Mord? Wer weiß wer der Angstmann ist und wann er wieder zuschlägt? Eine Legende? Eine Hirnspinnerei? Oder ein Gestörter unter all den anderen Gestörten? Max persönlicher Alptraum scheint kein Ende zu nehmen, denn der Angstmann kommt wieder.

Zeithistorische Geschichten, insbesondere um die Thematik Krieg, Flucht, Vertreibung fasziniert mich seit eh und je. Weniger wegen dem furchtbaren Versagen der Menschlichkeit (die Gräueltaten kann man irgendwann nicht mehr toppen) sondern viel mehr um diesen Menschen, wie Max Heller, wegen.

Der Kriminalfall in diesem Buch ist definitv vorhanden, der rote Faden der sich durch das Buch zieht. Aber ab und an wirkt er sehr dünn und fadenscheinig. Doch was ihn so verblassen lässt, steht da eigentlich in nichts nach. Die Darstellungen der Menschen, egal ob es die Einheimischen oder die ankommenden Flüchtlinge waren, hatte eine enorme Wirkung auf mich. Die Lebensumstände in dieser Terrorzeit, der tägliche Kampf ums Überleben, all das war ohne großes Schmuckwerk dargelegt und in der Geschichte integriert. Trotzdem hat es mich gefesselt, die Spannung zwischen dem Wissen was sich damals real abgespielt hat und was fiktiv hinein gesetzt wurde unterbrach nie mein Lesegefühl.

Als sehr beklemmend empfand ich viele Situationen, die man vielleicht noch aus den Erzählungen von den Großeltern kennt. Aber auch eindringlich von den Schilderungen her. Hier war es für mich besonders dieser Moment als die Stadt lichterloh brannte. Aus Max Hellers Augen zu ’sehen‘, was dort geschah war beeindruckend authentisch geschildert.

Generell hat der Autor einen auf Alles und Jeden schauen lassen. Jede Menge Hintergrundinformationen haben aus diesem Krimi ja fast schon eine Art gesellschaftskritischen Roman gemacht.

Ach ja, der Kriminalfall, der Angstmann, da war er doch mal ganz kurz aus meinem Gedächtnis verschwunden, nur um kurz darauf wieder seine Rolle aufzunehmen. Verzwickt war es, aber schlussendlich klasse gelöst. Wer ist es denn nun? Selber lesen.

Diese Geschichte ist für mich 5 von 5 Sternen wert, auch wegen Max Heller, oder wie auch immer die Männer und Frauen hießen, die in einer absolut unnormalen Zeit so furchtbar normal blieben.

c)K.B. 10/2016

5 von 5 Sternen
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Buchdetails
Titel: Der Angstmann
Erscheinungsdatum: 23.09.2016
AutorIn: Frank Goldammer
Verlag: dtv premium
336 Seiten

Kosten:
Hardcover: 15,90
Ebook: 12,99 €
ISBN: 978-3-423-26120-3

2 Gedanken zu „„Der Angstmann“

  1. Klingt gar nich mal so schlecht. Mich reizt hier – genau wie dich – die Zeitepoche. Hatte nur bisher kaum Meinungen im Umfeld gesehen. Nach deiner, werd ich wohl mal ein Auge auf das Buch werfen 😀

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