„Dark Wood“ | Thomas Finn [Kerstin]

Horrorthriller? Welcher Horrothriller?

Inhalt laut Klappentext

Die Handlung: Ein gnadenloser Kampf ums Überleben
Die Schauplätze: Norwegens undurchdringliche Wälder. Ein unheimliches Höhlensystem. Ein geheimes Militärlager aus dem Zweiten Weltkrieg mit Forschungslabor. Ein uraltes Wikingergrab.
Die Charaktere: sechs Angestellte einer Hamburger Werbeagentur, vier Männer, zwei Frauen, die sich nicht besonders mögen. Das TV-Team einer neuen Reality-Show. Ein Verräter. ETWAS, das in den Wäldern lauert: uralt, grausam – und ansteckend!

Das gruseligste am ganzen Buch? Das Fotografieren in der Abenddämmerung am Waldrand, damit ein zur Stimmung passendes Bild entsteht.
Wald, Dunkelheit, Horrorthriller – Drei Dinge die gerade nach einer gemeinsamen Leseaktion schrien und damit entstand das #Waldgeflüster und Vorfreude ohne Ende, auch wenn ich der Angsthase in der Gruppe war.

Den dunklen Wald habe ich gefunden, nur den Horror in diesem Thriller eben nicht.
Es war eher eine misslungene Mischung aus Big Brother und dem Dschungelcamp. Der Bachelor in Gestalt einer der Charaktere und ein gewagtes Spiel ohne Grenzen rundet dann alles ab, oder zerstört das Lesevergnügen restlos. Eine Truppe junger Männer und Frauen in den einsamen Wäldern Norwegens. Eine unwirtliche Gegend, schlechte bis gar keine Ausrüstung und die Möglichkeit sich Besonderheiten zu „verdienen“. Als Lohn ein Preisgeld, das jeder der einzelnen sehr gut gebrauchen kann. Das ist die Steilvorlage  – gönnt der eine dem anderen den Sieg oder schleicht da sonst etwas herum und richtet Unheil an?

Das Buch startet mit einem Wettkampf um die Gruppe auszuloten, die in den Wäldern Norwegens einziehen darf. Es war klar welche Gruppe gewinnt, also keine Überraschung.
Das der Produktionssender nicht zimperlich mit den Protagonisten umgeht und auf Einschaltquoten setzt, anstatt auf Fairness, überrascht genauso wenig. Hier habe ich mich bereits gelangweilt. Also habe ich auf die dunklen und einsamen Wälder gehofft und wurde durch Mythen und Legenden die hier und da von den Einheimischen erzählt wurden dann doch neugierig.

Ein hin und her der einzelnen Sichtweisen der Charaktere, die nun allein auf sich gestellt sind, hat gezeigt das alle etwas zu verbergen haben und so mancher ein falsches Spiel mit den anderen treibt. Hinzu kamen die Aufgaben die zu lösen waren um an die begehrten Dinge zu kommen, die das Überleben im Wald erträglicher machen. Diese Gegenstände waren immer mit einer „Ansage“ per Video verbunden und mit einer fast schon lächerlichen Werbung – hier habe ich immer auf den Zusatz „Unterstützt durch Produktplatzierungen“ gewartet.

Die zwei Frauen und die vier Männer selbst sind für mich absolut farblos geblieben. OK, das ein oder andere „Problem“ konnte ich nachvollziehen aber letztendlich war es doch nur ein Bloßstellen von Schwächen und Fehlern anstatt die Stärken hervorzuheben. Es war mir nicht mal möglich zu sagen wem ich einen eventuellen Sieg und damit das Preisgeld gönnen würde. Ab dem Moment als der erste Tote auf der Bildfläche erschien wurde es für mich dann auch unglaubwürdig. Würde eine Produktion auf Teufel komm raus um der Quoten willen das dulden? Würde die Hemmschwelle so weit herabsinken dass man es durchzieht bis zum bitteren Ende?

Das Genre Thriller in Kombi mit Horror kann richtig gruselig werden – dachte ich. Dabei lege ich gar keinen Wert auf detailliert blutrünstige oder grausame Schilderungen. Mein Kopfkino ist gut genug ausgebaut um selbst zu assoziieren und zwischen den Zeilen zu lesen fordert mich mehr als irgendein Gemetzel Wort für Wort lesen zu müssen. Wenn eine Geschichte mich dazu bringt verstohlen in die dunklen Ecken zu schauen oder mich zum Blick über die Schulter bringt, während sich mir die Nackenhaare stellen, dann ist es perfekt.
Aber hier? OK, es gab Tote und Blut und die Arten wer wie starb war schon etwas anderes, aber Horror? Nein, kein Stück! Eher ein Hauch von Mysterien die eingebaut wurden und dann diese Militärgeschichte. Von allem etwas aber doch nicht genug. Oder zumindest nicht gut genug umgesetzt.

In einem dunklen, dunklen Wald, steht ein dunkles, dunkles Haus. In dem dunklen, dunklen Haus ist ein dunkler, dunkler Keller. In dem ………

Diese Geschichte haben wir uns immer als Kinder erzählt und immer weiter ausgeschmückt. Irgendwie hatte ich den ständig im Kopf beim Lesen.

Das Ende der Geschichte hat mich dann auch noch etwas verblüfft zurück gelassen. Es war gut, ohne Frage aber es passte für mich kein Stück zu all den vorangegangen Seiten und Erlebnissen. Ein Topping auf einer seichten Geschichte, deren Sinn sich mir nicht offenbart hat.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★☆☆☆

1 Buch – 2 Meinungen | Jannas Rezension

– Waldgeflüster
Pink Anemone (Conny)
Wörterkatze (folgt?)
Aberush bei Lovelybooks (Sven)

Buchdetails
Titel: Dark Wood
Buchreihe: Einzelband
Autor: Thomas Finn
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-51874-8 [Paperback]

4 Kommentare

    1. Hallo Mikka
      diesesmal waren wir uns wirklich einig, was nicht immer vorkommt.
      Das mit dem X stimmt aber total 🙂
      Wünsche dir eine schöne Weihnachtszeit
      Liebe Grüße
      Kerstin

  1. Liebe Kerstin,
    das war HERRLICH! Ich habe mit Genuß deine Rezi gelesen und weiß jetzt schon, dass dieses Buch nichts für mich ist. 🙂 Bin ich froh, dass du es vor mir gelesen hast und mir das nun erspart bleibt. 😛
    Aber dennoch sehr schade. Der Klappentext klingt interessant und ich hätte dahinter auch eine etwas andere Geschichte erwartet. Die Umsetzung ist hier kläglich misslungen. So ein Buch hatte ich auch kürzlich, aber im historischen Bereich. Buchbescheibung und Thema super, Umsetzung schlecht.
    Danke für diese erheiternden Leseminuten! Endlich habe ich auch wieder etwas Zeit zum bei euch zu stöbern und kommentieren gefunden!
    GlG vom monerl

    1. Hey monerl
      danke für dein schönes Kommi. Ich musste so schmunzeln. War das Buch doch zu was gut 🙂
      Bei dem Klappentext hab ich echt deutlich mehr erwartet und dafür auch richtigen Grusel in Kauf genommen, aber leider war das dann ein Fehlkauf wobei es auch noch ein Geschenk war. Das Cover hätte mich selbst verleitet. Das nächste wird hoffentlich besser.
      Hab eine wunderschöne Weihnachtszeit.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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