Rezension

crumbs „Remember Mia“

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Erscheinungsdatum: 22.04.2016
AutorIn: Alexandra Burt
Verlag : dtv Verlag
ISBN: 978-3423261012
Flexibler Einband: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 14,99 €


4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von crumb
10.05.2016

Psychologisch!

Hier erwartet den Leser kein Spannungeladener actionreicher Thriller, aber auf psychologischer Ebene ist der Spannungsbogen auf hohem Niveau!

Estelle erwacht im Krankenhaus, ohne Erinnerung. Jedoch hat sie eine Tochter, Mia, nur weiß Estelle nicht wo sie ist. Ehemann & Polizei führen gleichermaßen ein Verhör, ebenso gibt es Zeitungsartikel welche das Verschwinden von Mia in den Fokus nehmen.
Bei alldem Verlauf stehen mehr Fragen im Raum, als das es Antworten gibt.
Durch Erinnerungen von Estelle, an ihre Kindheit, das Kennenlernen ihres Mannes, an die ersten Monate mit Mia geben dem Leser Anhaltspunkte – aber auch nicht mehr.
Stück für Stück muss sich Estelle mit der Unterstützung von Dr. Ari an ihre Vergangenheit heran wagen, an den Tag von Mias verschwinden.

Mich hat dieser Thriller begeistert, denn gerade die psychologische Ebene spricht mich sehr an.
Nur langsam wird der Leser an Estelles Leben herangeführt, an ihre Probleme – immer nur so viel, das ich weiter lesen musste!
Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Estelle, ihr Bemühen sich zu erinnern. Besonders gut waren die Erinnerungsbruchstücke die immer wieder in Estelle aufflammten, machten neugierig, ließen Fragen zunächst offen im Raum stehen.

Psychologie hat hier eine wichtige Bedeutung – es geht um Estelles Entwicklung & ihre verzweifelte Suche nach der Wahrheit, nach dem greifen ihrer Erinnerungen.
(…) ein Gedanke entsteht, nimmt Gestalt an, bebt leicht und kommt zur Ruhe, so dass ich ihn betrachten kann. Seine Melodie klingt wie Donnergrollen, und mein Gehirn rekonstruiert den Augenblick, in dem die Erinnerung entstanden ist.

Die Thematik und der Schreibstil haben mich mehr als überzeugt, ebenso der Wechsel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und den Zeitungsberichten!

Die Autorin weiß mit Worten zu spielen & trifft dadurch nochmals meine Lesegeschmack:
Ich wünschte mir immer, dass mich jemand herausfischt, ans Licht hält, mich mit dem Hemdzipfel abwischt und sich freut, mich gefunden zu haben.
Ebenso bleiben keine Fragen zurück, selbst die letzte Unklarheit wird erläutert, erhält eine Ursache.
Ich mag Bücher in denen Fragen offen bleiben, in diesem Falle passt es zu der Geschichte & wäre ansonsten in sich unstimmig geworden.

Doch leider ließ mich persönlich das Ende enttäuscht zurück! Lange Zeit ist nicht klar, was sich hinter dem Verschwinden von Mia verbirgt, wer die Verantwortung dieser Tragödie trägt – ist es Estelle selbst, steckt ihr Mann Jack dahinter oder eine dritte Person? Selbst als die große Frage beantwortet war ging die Geschichte noch ein Stück weiter, dies gefiel mir sehr gut. Was jedoch das Ende des Buches betrifft, so war es im Vergleich zum Aufbau der Geschichte ein wenig zu viel!

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