Rezension

„Nachmittage mit Mördern“ von Sibylle Tamin [Janna]

Nachmittage mit Mördern

 

Erscheinungsdatum: 21.01.2016
AutorIn: Sibylle Tamin
Verlag : FISCHER Taschenbuch
ISBN: 978-3596031917
Flexibler Einband: 320 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 9,99 €

 


4 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Janna
03.02.2016

Lebenslänglich

Ich lese bevorzugt das Genre Krimi/Thriller, ebenso sehe ich auch gerne Filme aus diesem Genre bzw. Dokumentationen. Deswegen reizte mich dieses Sachbuch – zehn unterschiedliche Menschen, Männer & Frauen, berichten über ihre Vergangenheit, ihre Tat und wie sie damit umgehen.

Sibylle Tamin schreibt ohne Wertung, ohne erhobenem Zeigefinger oder hinterfragt als Autorin. Die Interwies werden als Gespräch wiedergegeben, wobei es vorrangig um die Erzählungen / Schilderungen des Täters geht. Nur selten gibt die Autorin persönliche Eindrücke oder Spekulationen wieder – diese beziehen sich jedoch ausschließlich auf die Gestik und ähnliches ihres Gegenübers, nicht jedoch auf die Kindheit oder Tat!

Dennoch hat mich ein wenig der Schreibstil der Autorin gestört. Meist hat sie ihre Fragen in der Perfekt-Zeitform geschrieben, dann wieder als wörtliche Rede – distanziert & dann ganz nahe. Dies irritierte mich immer wieder beim lesen.
Natürlich ist auch eine Autorin nur ein Mensch, aber in gewissen Berichten konnte man ihre Sympathie – wenn ich überhaupt soweit gehen kann – herauslesen, in anderen wiederum beurteilt, wertet sie einen Blick oder Tonfall eher negativ.

Das Buch ist interessant für Leser, die sich mit einer wahren Geschichte auseinandersetzen wollen oder einen Eindruck davon gewinnen möchten. Es muss jedoch klar sein, hier geht es nicht um Raubüberfälle, sondern um Mord bzw. Totschlag. Der Tathergang wird geschildert, die Zeit davor & danach – immer aus der Sicht des Täters. Es geht um das Leben mit der Verurteilung, um die Auseinandersetzung mit sich selbst – wie kam es zur Tat, wie handelte der Täter danach. Und oft ist es erschreckend, nicht nachvollziehbar, wie die Täter nach der Tat reagieren!
Jeder dieser Menschen geht anders mit den Folgen seiner Tat um, auch Unschuldsbekennungen sind zu lesen. Ob der Leser diese glaubt oder nicht, ist ihm selbst überlassen. Es geht um zu lebenslänglich verurteilte Menschen: geplanter Mord oder eben die erschreckende Handlung danach.
Ob und wie die Kindheit Einfluss genommen hat wird nicht geklärt, jedoch wird diese thematisiert, vom Täter wiedergegeben.
Es sind autobiographische Erzählungen, bei denen sich jeder Leser ganz individuell seine Gedanken macht,, ganz unbewusst setzt der Leser sich mit der Situation auseinander. Nachvollziehbar oder nicht? Schuldig oder unschuldig? Affekthandlung oder Geplant?

1 Buch – 2 Meinungen | Kerstins Rezension zu dem Buch

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