„Brixton Hill“ von Zoë Beck

Inhalt laut Verlagsseite

„London, in einem der Luxushochhäuser von Canary Wharf: Erst fällt die Klimaanlage aus, dann der Strom. Sämtliche Ausgänge sind verriegelt, und Rauch strömt aus den Belüftungsschächten. Em muss hilflos zusehen, wie ihre Freundin im 15. Stock panisch ein Fenster zertrümmert und hinausspringt. Kurz darauf wird Em verhaftet. Sie soll sich in die Computer des Gebäudes gehackt und die Freundin dadurch in den Tod getrieben haben. Jemand spielt ein falsches Spiel. Und macht Jagd auf Em …“


Der Klappentext reizte mich, machte neugierig auf die Geschichte und ich liebe es, egal welches Genre, wenn Geschichten in Frankreich, England, Spanien spielen ~ warum auch immer, eine wirkliche Antwort habe ich gar nicht. Auch das Cover gefiel mir sehr – schlicht in grau mit grüner Schrift.
Und schwupps war es meins 😉

Aber egal! Darum geht es ja schließlich auch nicht. Es geht um den Thriller, den Spannungsbogen innerhalb dieser Geschichte. Und was soll ich sagen, ich hab ich nicht gefunden! Auf S. 218 von 384 habe ich abgebrochen! Die Grundstory als Thriller war eigentlich recht vielversprechend:

Emma sieht ihre Freundin in den Tod stürzen, kurz zuvor brach im Gebäude die Elektrizität zusammen. Einige Tage später ist auch ihr Bruder tot. Und dann ist da dieser Mann, ein Mann dem sie immer wieder begegnet. Doch er scheint sie nicht zu bedrohen, sondern beschützen zu wollen.

Die erwähnten Todesfälle werden noch bestückt mit der Hackergeschichte und Emmas Twitter-Leben. Auch politische Ereignisse und Zusammensetzungen werden eingebaut, aber nur angerissen (Stand bis Abbruch S. 218).
RAF – Die Rote Armee Fraktion
IRA – Irisch-Republikanische Armee
Occupy Bewegung – Occupy Wall Street (auch OWS)
LeserInnen denen diese Begriffe nichts sagen, werden innerhalb der Geschichte nicht viel damit anzufangen wissen. Die Begriffe werden im Rahmen eines Rückblicks etwas erklärt, bleiben aber an der Oberfläche haften. Wenn jetzt jemand auf die Idee eines „Politthriller“ kommen sollte, den Gedanken gleich mal wieder verwerfen! Beim Lesen erhält man überhaupt keinen Bezug zwischen den politischen Themen und Emma. Ich konnte bis zur genannten Seite überhaupt nicht verstehen, was die politischen Organisationen überhaupt in dieser Geschichte zu suchen haben. Es wird aber auch kein Spannungsbogen eingebaut der einen durch die Seiten fliegen lässt, um die Zusammenhänge zu begreifen.

Die Autorin hat diesen Geschichtsstrang schlichtweg nicht gut ausgebaut. Es fehlte an jeder Stelle. Ich hatte nicht das Bedürfnis weiter zu lesen, um zu erfahren was sich hinter den Todesfällen verbirgt oder in welchem Zusammenhang Emma und die politischen Ereignisse stehen.
Zu oft geht es um Emmas Erinnerungen an ihren Bruder, um die Familienverhältnisse. Diese scheinen nicht unwichtig zu sein, da sich ein Verdacht entwickelt. Politik, Familie, Korruption?! Bis zur genannten Seite baute sich ein Handlungsstrang auf, welcher in diese Richtung weist. Und doch war es mir schlichtweg zu langweilig. Ein roter Faden ist kaum zu greifen, da Geschehnisse und Informationen nur angerissen werden, um an andere Stelle neu und völlig anders wieder aufgegriffen zu werden.

Viel zu sehr verstrickt sich die Autorin in die Beziehung von Emma und ihrem Bruder, in das Kennenlernen von ihr und ihrem (angeblichen?) Stalker. Aber eben ohne einen für mich eindeutigen Handlungsstrang.
Ja, ich wiederhole mich weil ich es wirklich nicht in Verbindung bringen konnte. Und wenn ich bereits über die Hälfte eines Buches gelesen habe und immer noch keinen roten Faden erkenne, ja, dann breche ich ab! Hab ich bislang kaum bis nie getan, aber mir ist meine Lesezeit einfach zu kostbar.

Es darf in einem Buch ruhig verworren sein, die Geschichte Fragen aufwerfen und es muss am Ende auch nicht (immer) alles beantwortet werden. In diesem Buch jedoch passt solch eine Strategie nicht, zu mindestens nicht für mich!
Ich hatte das Gefühl es werden viele Geschichtsstränge eingebaut, um Spannung zu erzeugen. Bei mir ging der Versuch in genau die entgegengesetzte Richtung! Schlimmer noch, ab einem gewissen Zeitpunkt interessierte es mich schlichtweg einfach nicht mehr. Dennoch habe ich weitere Seiten gelesen, aber neben Belanglosigkeiten und ausführlicher Familiengeschichte kam es innerhalb der aktuellen Ereignisse nicht voran. Auch wenn der Schreibstil selbst angenehm ist, so muss ich einfach zwei Sterne vergeben.

Die Geschichte ist schleppend, fokussiert sich auf die Familie von Emma und baut keinen Spannungsbogen auf, welcher mich mitreißt. Für mich ist das Genre somit verfehlt.

Rezension verfasst von © ‚crumb‘ 
★☆☆☆

    Buchdetails
Titel: Brixton Hill 
Buchreihe: Einzelband
AutorIn: Zoë Beck
Verlag: Heyne
384 Seiten 
Erscheinungsdatum: 09.12.2013
ISBN: 978-3-453-41042-8 [Paperback]
          Kosten
Paperback: 8,99 €
E-Book: 7,99 €

14 Kommentare

  1. Huhu!

    „Brixton Hill“ wollte ich eigentlich seit Ewigkeiten schon lesen, und es liegt auch schon lange auf dem SUB – ich habe mal einen ganzen Stapel von Büchern der Autorin in einem preisgünstigen Paket erstanden.

    Aber dann hat der Krimi-Lesekreis meiner Lieblingsbuchhandlung „Schwarzblende“ von Zoe Beck gelesen, und das fanden die meisten von uns, ich inklusive überhaupt nicht gut… Und seitdem fehlt mir der Anreiz, die Bücher, die hier noch liegen, zu lesen. 🙁

    LG,
    Mikka

    1. Ich kann ja nur für meine Leseeindrücke sprechen, habe aber zu dieser Autorin eher Rückmeldungen (via Social Media) das die Bücher leider nicht den Erwartungen entsprechen … aber natürlich sehr schade wenn ein Buch so enttäuschte & nun ein weiteres volles Paket wartet – sonst verschenken, tauschen, verkaufen?

      Sei lieb gegrüßt!

  2. Hey,

    schade, dass dir das Buch so gar nicht gefallen hat.
    Bei mir steht es noch auf der Wunschliste, weil ich „Schwarzblende“ großartig fand und daher gern noch mehr von ihr lesen würde.

    Ein bisschen ernüchtert mich deie Rezension, ja 😀 Aber vielleicht kann ich das in der Bibliothek finden, dann spare ich zumindest Geld, falls es mir nicht gefallen sollte und das abbrechen fällt leichter 😀

    1. Ich hab die Rezi ja auch geteilt: die einen stimmen mir bezgl. der Autorin zu (egal welches Buch), die anderen waren von diesem total geflasht – somit steht für dich noch alles offen 😉

      Liebe Grüße!

  3. Oh, schade das das Buch nicht hält was es verspricht. Ich hatte nach der Inhaltsangabe auch gedacht „Mensch, das hört sich gut an“. Ich bewundere das du dann so lange „durchgehalten hast“
    LG
    Sandra

    1. Wie gesagt, das Abbrechen ist erst in der Übungsphase … Hatte aber auch nie groß Bücher die mich wirklich enttäuschten, eigentlich bin ich immer recht zufrieden mit dem was ich lese (=

    1. Naja, Grundstory & Schreibstil stimmten ja – die Umsetzung nur nicht 😀 Hätte ich es ausgelesen und es hätte sich nichts getan wäre es wohl auch nur ein Stern geworden, aber da ich nicht das gesamte Buch bewerten kann, du verstehst?!

  4. Ha! Hier sind wir einer Meinung 😀
    Traurig, aber leider wahr, ich hab das Buch damals auch abgebrochen, weil ich nicht reinkam 🙁 Es klingt oben vom Text auf jeden Fall so, als ob du weiter gelesen hast. Mmmh, Kann mich nur noch an das Gebäude erinnern, wo Emma allein drin ist und dieser Selbstmord geschieht.

    1. 😀
      Ja, hab über die Hälfte gelesen, ich übe das mit dem Abbrechen auch erst! hihi
      Weiß gar nicht warum ich Bücher die mich nicht mitreißen konnten bzw. einnahmen bislang immer zu Ende gelesen hab – das wird sich definitiv ändern!
      Hätte ich es nicht für zwei Challenges genommen hätte ich villt. sogar auch früher abgebrochen

      1. Weil man innerlich hofft, dass da nochmal ne Wende kommt und einen den Hänger vergessen lässt – so ist es zumindest bei mir. Wenns aber nicht geht, gehts nicht. Warten genug andere Bücher darauf gelesen zu werden :3

        1. Ja, irgendwie schon. Aber hier war eigentlich schon vor der Hälfte klar das sich keine große Spannung mehr aufbauen wird, zu fokussiert war die Autorin bereits auf die Geschwister-Beziehung. Tja, man kann halt nicht immer Glück mit den Büchern haben und dann hilft manchmal nur noch das Abbrechen, wie du schon sagtest: es warten genug feine, interessante Bücher auf einen 🙂

  5. Oh, nein. Das Buch habe ich auch noch ungelesen im Regal. Und jedes Jahr nehme ich mir vor: „Dieses Jahr liest du was von Zoë Beck!“ Wird dann wohl dieses Jahr wieder nichts.

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

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