„Blutpsalm“ von Meredith Winter

Ein wenig Mord und viel Liebe

Inhalt laut Verlag

Sommerburg – eine verschlafene 800 Seelengemeinde, irgendwo im Norden Deutschlands.
Ein Dorf, dessen Bewohner so akkurat und tadellos wie aus einer Reklame zu sein scheinen. Bis zu dem Tag an dem eine brutale Mordserie den Ort erschüttert und Jonathan, der junge Pastor, sich in eine Prostituierte verliebt. Während die männlichen Bewohner nach und nach tot mit einem Fleischermesser in der Brust aufgefunden werden, zeigen die Einwohner allmählich ihr wahres Gesicht. Und auch Jonathan muss vor seiner Gemeinde zugeben, dass er bei Weitem nicht so fromm ist, wie alle bisher geglaubt haben …

„Liebeskrimi“ – da wird sich wohl der ein oder andere Leser unter Euch wundern. Ja, Liebesgeschichten sind eigentlich nicht meine bevorzugte Thematik in einem Buch, aber die Autorin hat eine solch gelungene Anfrage gestellt und mich gekonnt neugierig gemacht. Auch der Klappentext sprach mich an und somit war das Buch auch schon bei mir eingezogen.

Pastor Jonathan Littke verliebt sich auf den ersten Blick in die Prostituierte Marlene. Nicht das dies allein schon für Aufsehen in dem verschlafenen Dorf Sommerburg sorgen würde, beginnt eine Mordserie in die Marlene verstrickt zu sein scheint.

Vor ihm lag der Bürgermeister, in seiner Brust steckte ein Fleischermesser. Und in der Mitte des Messers war Marlenes Visitenkarte aufgespießt.
(Seite 22)

Die darauffolgenden Ereignisse, die Geschichte der zwei Protagonisten, konnte mich leider nach den ersten gelungenen zwanzig Seiten nicht mehr einnehmen. Zu viel Story, zu wenig Entwicklung. Ein Krimi auf knapp 200 Seiten kann funktionieren, wenn aber auch eine Parallelgeschichte erzählt wird, bleibt kaum noch Raum für beides.

Mord und Liebe. Beides findet sich innerhalb der Geschichte, beides kommt jedoch für mich persönlich zu kurz bzw. zu rasant. Nach und nach finden sich in dem Dorf Leichen, immer mit einer Visitenkarte von Marlene. Dies jedoch steht nicht im Mittelpunkt der Geschichte, sondern die sich anbahnende Beziehung von Jonathan und Marlene. Gegen eine Liebesgeschichte ist gar nichts einzuwenden, aber wenn diese mit einer Mordserie einher geht, erwarte ich Zweifel und Hinterfragungen. Diese tauchen auf, jedoch in eine ganz andere Richtung. Innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums lernen sich die beiden kennen und die Beziehung entwickelt sich gefühlt viel zu schnell. Bedingt durch die zwei mehr als unterschiedlichen Berufe hätte die Autorin vielerlei Möglichkeiten gehabt, diese Annäherungen langsam auf- und auszubauen. Die Zweifel nehmen nur einen geringen Raum ein und der Verlauf dieses Handlungsstrang ist für mich im Blick auf die Protagonisten und ihre Leben zu unrealistisch. Ich gebe zu, vielleicht hätte ich es mir aufgrund der Genre-Bezeichnung zweimal überlegen sollen … Liebesbekundungen (in dieser Form) kann ich persönlich leider einfach nichts abgewinnen.

Zu Beginn geht es um die ersten Begegnungen von Jonathan und Marlene, bis die erste Leiche auftaucht. Aber auch im weiteren Verlauf waren die Morde vielmehr eine Nebengeschichte und für mich als Krimi und Thriller Liebhaberin somit kein fesselndes Leseerlebnis. Vielmehr geht es um die einzelnen Geheimnisse und den Umgang miteinander und somit konnte sich für mich kaum ein Spannungsbogen aufbauen. Kaum entstehen die ersten Fragen, werden diese umgehend beantwortet. Eine logische Konsequenz in Bezug auf die Seitenzahl, aber mindert eben dadurch das Lesevergnügen. Ein Krimi bedeutet mit rätseln bezüglich der großen W-Fragen und eben dies fehlte mir persönlich. Die Entwicklung die eine solche Mordserie in einem kleinen Dorf mit sich bringt. Die Angst der Anwohner, die Zweifel an den Nachbarn die seit Jahren Freunde sind. Diesbezüglich ist der Klappentext leider etwas irreführend („…zeigen die Einwohner allmählich ihr wahres Gesicht.“), denn bereits auf Seite 19 ist deutlich herauszulesen, das es sich eben um ein Mitglied dieser Gemeinschaft handelt. Es geht nicht um eine Gemeinschaft die dunkle Geheimnisse hat, welche nach und nach ans Tageslicht kommen, sondern um eine einzelne Person. Und auch hier werden die Hintergründe relativ schnell offen gelegt, mit einem Showdown der so rasant wie die vorherigen Seiten ist.
Die Leser unter Euch die das Buch bereits kennen werden vielleicht denken „Aber da kommen doch Geheimnisse ans Tageslicht“ – Ja, bestimmte Personen haben eine Gemeinsamkeit, dies jedoch ist für mich persönlich nicht als dunkles Geheimnis oder „zeigen ihr wahres Gesicht“ einzuordnen.

Ich möchte im kleinen darauf hinweisen, das im Buch eine Szene triggern könnten. Es wird nicht gezielt ein Missbrauch beschrieben und doch ist es eben dieses Gefühl, welches beim Lesen und bei der Protagonisten selbst entsteht – Seite 78 bis 79.

Dem Buch hätte ein Fokus weniger gut getan. Ein einzelner Augenmerk auf Liebesroman oder Krimi findet seinen Platz auf solch einer Seitenzahl, eine Kombination aus beiden Bereichen braucht doch etwas mehr um sich entwickeln zu können. Wer schnelllebige Bücher mag und mal in einen Krimi reinschnuppern möchte, dem mag dieses Buch gefallen. Kenner des Genres Krimi und Thriller werden nicht auf ihren Thrill kommen. Liebe ein Hauch Erotik, Zutaten in einem Krimi die mich nicht unbedingt stören, aber ich hätte mir gewünscht das den Protagonisten mehr Zeit gegeben worden wären und die Morde Schatten über die aufkeimende Liebe geworfen und mehr Raum bekommen hätten.

Illustratorin: © Camilla York Morgan

Schade das die abgebildete Zeichnung, welche mit anderen Skizzen nur auf der Verlagsseite zu sehen ist, nicht auch im Buch eingearbeitet wurde. Dies hätte Individualität geschaffen und sich von anderen Büchern abgehoben, vielleicht eine Idee für kommende Bücher der Autorin?!

Rezension verfasst von © Janna
★★☆☆☆

– Andere Lesermeinungen –
Sunshine Books (Sonja)
Ein Buch kommt selten allein (Tabi)
Zeit für neue Genres (Nicole)
Bella`s Wonderland (Stefanie)

   Buchdetails
Titel: Blutpsalm 
AutorIn: Meredith Winter 
Verlag: Sommerburg Verlag
ISBN: 978-39-818-7221-7 [Paperback]
— Rezensionsexemplar —

18 Kommentare

  1. Hallo Janna,

    tolle Rezension, sehr sachlich und ich verstehe deine Kritikpunkte absolut! Mir ging es mit dem Buch ja ähnlich und ich denke auch, dass es entweder nur eine Story oder mehr Seiten hätten sein müssen.
    Ich geh dann mal verlinken! 😉

    Liebe Grüße,
    Tabi

    1. Huhu Tabi,
      lieben Dank und ich denke auch das eine doppelte Seitenzahl einiges hätte rumreißen können! Kerstin liest demnächst das andere Buch der Autorin.

      Danke (=

  2. Wie wunderbar sachlich deine Kritik ausfällt, so kann ich den Titel sehr gut für mich einordnen. Thematisch wäre ich wahrscheinlich nicht glücklich geworden und ich liebe es dann doch eher, wenn ich mich in mehr als 200 Seiten verlieren kann.

    Viele liebe Grüße

    Anja

    1. Huhu Anja und lieben Dank dafür – kritische Besprechungen sollen ja ebenso auf dem Blog zu finden sein wie lobende und da freut es mich doch sehr, dass ein enttäuschter Eindruck sachlich rüber kommt. Ja, ich denke auch für dich wäre das Buch (leider) nichts.

      Hab noch ein feines Wochenende!

      1. Wie gut, dass du meinen Lesegeschmack so schön einschätzen kannst :-). Vielleicht sollten wir unter unsere Rezensionen schreiben: Dies ist ein Buch für…, dieses Buch ist zu blutig, dass sollte … lieber nicht lesen etc. Griiiiins.

  3. Hallo Janna,
    Krimis und Thriller liebe ich prinzipiell ja sehr, aber sobald sich da ein Liebesfaden hindurchzuschlängeln droht, ist das schon nicht mehr meins. Wenn dann auch noch die Ausarbeitung nicht sehr intensiv und überzeugend ist, ist das Buch definitiv nichts für mich. Danke für deine gut ausgearbeitete Rezension.
    Liebe Lesegrüße zum Wochenende, Heike 🙂

    1. Huhu Heike!
      Andere Stimmen sind angetaner vom Buch, aber mich konnte es leider nicht überzeugen … Lieben Dank für deine lobenden Worte *-*

      Hab noch einen feinen (Rest-)Abend!

  4. Hallo Janna,

    das ist ja spannend! Wir haben das Buch ähnlich empfunden aber unterschiedliche Elemente daran kritisiert. 😀 Die Geschichte an sich ist aber klasse, es hat halt – meiner Meinung nach – an Dichte gefehlt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

      1. Huhu Nicole,
        gerne habe ich dich verlinkt – gerade das macht unser Hobbie ja so interessant! Gleiche Eindrücke und doch so verschieden oder eben die ganz unterschiedlichen Leseerlebnisse!

        Hab ein feines Wochenende!

  5. Ein Liebeskrimi – das kombiniert ja perfekt meine beiden Lieblingsgenres. Okay, ganz perfekt wäre es gewesen, wenn sich zwei Männer im Umfeld von Mord und Totschlag verliebt hätten, aber auch so habe ich aufgehorcht und mit Interesse Deine Rezension gelesen.
    Leider ist es oft so, wenn man zwei Genres kombiniert, dass eines davon zu kurz kommt. Damit kann ich leben, wenn wenigstens das andere Genre gut ausgearbeitet ist. Deine Rezension klingt aber so als könne man an der Liebesgeschichte einige Kritikpunkte finden. Und an der Krimistory leider auch kritisieren.
    Und da ich beide Genres fast ausschließlich lese, mag ich mich mit halbherziger Umsetzung auch nicht mehr zufrieden geben.
    Vielen Dank für Deine ausführliche und wunderbar begründete Rezension!

    LG Gabi

    1. Hach meine Feine, auch wenn du bei Liebesromanen ebenso gerne zugreifst wie bei Krimis und Thrillern, glaube ich kaum das du begeisterte wärst als ich – dafür kenne ich deinen Geschmack dann doch zu gut 😉 Die Grundlage stimmt, die Umsetzung ist jedoch schwer auf knapp 200 Seiten. Und gerade bei Thrillern darf es nicht zu langatmig, aber auch nicht zu rasant sein – bezüglich Liebesgeschichten bin ich einfach still, weißt ja, ist nicht meins 😉

      Hab ein feines Wochenende!

  6. Hallo Janna,

    Super Rezi! Die hast du wiedermal sehr gut geschrieben. Ich war ja schon vorgewarnt, dass es dich nicht so überzeugen konnte und ich kann deine Kritikpunkte voll und ganz verstehen. Als Thrillerleser kommt man mit dem Buch eindeutig zu kurz, ich hätte mir auch noch ein paar Details mehr gewünscht, aber direkt vermisst habe ich es nicht

    Danke fürs verlinken

    Liebe Grüße
    Sonja

    1. Huhu Sonja,
      erstmal liebsten Dank für dein Kompliment! Und mehr als gerne habe ich dich verlinkt, gerade weil du ganz andere Eindrücke von dem Buch hast.

      Hab einen feinen Start ins WE!

  7. Hallo liebe Janna,

    wirklich eine gelungene Rezension. Ich habe das Buch ja ähnlich erlebt und finde dein Gedanke mit den Zeichnungen gut. Wäre wirklich schön, wenn solche Zeichnungen mit aufgenommen werden würden.

    Vielen Dank fürs Verlinken – ich habe deine Besprechung auch gleich bei mir verlinkt.

    Liebe Grüße
    Bella

    1. Huhu Bella und Dankeschön! Ich hatte auch gedacht sie wären im Buch enthalten, wirklich schade!
      Natüüürlich verlink ich dich – kommt ja schon selten genug vor, das wir das selbe Buch lesen 😉 und danke dir ebenfalls fürs Verlinken!

      Hab noch einen feinen Tag!

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