Blogtour zu #DerweisseAffe ~ Kerstin Ehmer

5. Tag der Blogtour zu „Der weisse Affe“ von Kerstin Ehmer

„Kommissar Spiro schreibt nach Hause…“

Meine werte Frau Mutter, mein werter Herr Vater,
Berlin, was für eine Stadt!
Hatte ich das so erwartet?
Wie klein und unbedeutend ich mir hier doch vorkam, auf diesem Bahnhof voller Menschen und sonstiger Gestalten. Würde ich Euch alles zu beschreiben versuchen, dann wäre es wohl soweit dass Ihr an meinem Verstand zweifelt.
Die Berliner sind schon ein eigenes Volk und sie sind besonders und auch anders, dennoch fühle ich mich wohl hier auch wenn es mir nicht leicht gemacht wurde. Ich möchte mich nicht beklagen, schließlich ist mein Name mein Name und Ihr habt Euch etwas dabei gedacht. Nur verhält es sich so, dass einige oder besser gesagt viele, ein Problem damit haben. Mein Name weckt bei jedem die Assoziation ich sei ein Jude. Wie lachhaft, als ob die Menschen hier nicht genügend andere Sorgen hätten.

Es gibt Behausungen hier, in denen man kein Stück Vieh halten sollte. Sieben Personen auf zwei Zimmer verteilt. Meist sind es die Frauen – alleinstehend, ihre Männer sind im Krieg geblieben oder sie haben sie danach an die Erinnerungen und den Alkohol verloren. Witwen und Waisen wohin man kommt.
Bitte entschuldigt meine saloppe Schreibweise, doch es pressiert wirklich. Dennoch möchte ich Euch auf keinen Fall Sorgen bereiten, habe ich das doch in Wittenberge schon zur Genüge getan. Ach, was vermisse ich Euch und die Bank im Garten. Die Zeit des Verweilen und Innehalten, meinen Neffen, seinen Vater und natürlich dessen Gattin.

Lasst es Euch aber getrost sagen, es gibt auch Lichtblicke! Meine Unterkunft ist sauber, die Zimmerwirtin eine freundliche Dame. Selbst der Schrank in meiner Stube freute sich so sehr mich zu sehen, dass er eine seiner Türen zu meiner Begrüßung kaum halten konnte. Lobenswerterweise geben sich meine neuen Kollegen durchaus Mühe, mich zu unterstützen. Da möchte ich den Herrn Kommissar Ewald Bohlke besonders erwähnen. Ihm bin ich direkt unterstellt und ja, mit ihm arbeite ich gerne. Diesen Mann schätze ich sehr. Er ist gewitzt und fleißig, nur sein Anblick lässt einen schon erschauern. Er ist einer der Männer, die im Krieg waren und neben den Erinnerungen auch ein „Souvenir“ mitgebracht haben, das immer bleiben wird. Ihn als aufbrausend zu bezeichnen wäre nicht ganz gerecht, aber er hat schon die Hand locker sitzen, allerdings nur die Ganoven und Gauner betreffend.
Denn auch davon gibt es genügend hier in Berlin. Mord und Totschlag, Lug und Betrug. Ihr seht, es gibt viel zu tun für mich. Meine Arbeit füllt mich aus, direkt am ersten Tag meiner Ankunft hier hat es mich zu einem Mordfall verschlagen. Ein wohlhabender Bankier, dessen Geheimnis und vor allem Tod es aufzuklären gilt. Alle verstecken sich hinter ihren Masken und auch dieser Mann hat sich wohlweislich etwas anderes gewünscht. Maskerade wohin man schaut.

Es ist schon eine seltsame Mischpoke hier. Die Kultur wird groß geschrieben und allerlei Vergnügungsstätten sind zu finden. Auch solche, in die man natürlich als anständiger Mensch nicht betritt. Apropos Anstand, er scheint vielen hier zu fehlen. Die Moral ist auf der Strecke geblieben. Doch frage ich mich immer wieder wessen Einstellung unmoralischer ist. Die derjenigen, die sich austoben und ihre Grenzen ausloten oder die andere Sorte, die alles rein und sauber und perfekt haben möchte. Ich stoße an meine Grenzen, wenn ich erleben muss wie sich eine Stimmung breit macht, von der ich nicht weiß, wie es enden wird. Es macht mir Angst.

Diese Stadt hier ist wie ein großes Theaterstück. Mit den Schauspielern, die in ihren Rollen aufgehen und den Regisseuren, die bestimmen, wo es lang geht. Daneben die Komparsen, kleine scheinbar unbedeutende Rollen. Hinter den Vorhängen bleibt alles im Dunkeln und auf der Bühne ist die Selbstdarstellung perfekt. Es wird gespielt wie verrückt und bei so mancher Szene frage ich mich, ob das gut aus geht. Was für ein Affentheater!
Gut, dass ich hier verweile, auch wenn es nicht nach jedem Wunsch ist. Mein Ehrgeiz wird mich weiterleiten und Eure positiven Gedanken, derer ich mir sicher bin, helfen mir durch diese Zeit.

Alsbald sehen wir uns wieder und dann berichte ich Euch wie es ausgegangen ist – die Sache mit dem jüdischen Bankier und was sich bei meiner Spurensuche und den Ermittlungen alles ergeben hat. Vielleicht kann ich dann auch etwas mehr sagen zu dieser wunderschönen Frau mit den grünen Augen.

Bis dahin, gehabt Euch wohl und bindet mich in Eure Gebete ein.

Mit den ergebensten Grüßen, Euer Sohn

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Alle Termine und Beitragsthemen der Blogtour im Überblick:

Montag, 16.10.2017  –  Die Leserin
Rezension + Blogtour-Beginn zum Roman

Dienstag, 17.10.2017 – WortGestalt-BuchBlog
Spurensuche – Ein Spaziergang durch Berlin

Mittwoch, 18.10.2017  – Die dunklen Felle
Die Geschichte von Alexander – Verwahrlosung und Überliebe

Donnerstag, 19.10. 2017 – Life4Books
Die 20er Jahre – Das Zeitalter der sexuellen Befreiung und der schillernden Bars

Freitag, 20.10. 2017 – hier sind wir an der Reihe
Kommissar Spiro schreibt nach Hause …
und wer nicht genug davon bekommt – hier die Rezension

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Zu der Verlosung

Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Mal ein Exemplar von Kerstin Ehmers „Der weiße Affe“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden.
Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben.
Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 27. Oktober 2017 um 23:59 Uhr.
Die drei Gewinner werde aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und werden nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt Ihr Euch mit diesen Bedingungen einverstanden.
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Jetzt bleibt nur noch zu sagen, dass wir Euch viel Spaß beim Buchstabensuchen wünschen und allen die Daumen drücken.

Eure Kerstin und die Blogtour-Bande
(ein kleiner Gruß auch von Janna)

7 Kommentare

  1. Sehr fein! Also in Sachen Bilder! Da hast auch gute Sachen zum fotografieren gefunden 😀
    Und vom Stil, muss ich sagn, da hast wirklich den Geist der Zeit getroffen! :3

    1. Danke Dir – ich liebe ja so ‚altes‘ Zeugs und hatte mich mit unserer Oma unterhalten bzgl Anrede und so, sie ist 94 und kommt noch aus der Zeit 🙂
      Hab ein schönes Wochenende

  2. Auch so schmucke Bilder, das ist toll! 🙂 Und auch und besonders toll, dass Bohlke hier nochmal Erwähnung findet, die Figur hatte es mir auch angetan. Ein schöner Tourabschluss, Kerstin!

    Liebe Grüße, Katja

    1. Hallo Katja
      ja der Bohlke war auch ein toller Charakter, wenn es mal eine Fortsetzung geben würde müsste er dabei sein 🙂
      Liebe Dank, es hat mir irre Spaß gemacht.
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Kerstin

  3. Hallo Kerstin!
    Der etwas naive Spiro ist mir ja schon etwas ans Herz gewachsen :-), schön ihn noch einmal in dieser Form zu lesen. Vielen Dank für deinen Beitrag (ähm die Übermittlung seines Briefes)! Und Bohlke vermisse auch schon. Ich hoffe, die zwei kommen bald wieder und machen Berlin unsicher … äh sicher, meine ich natürlich :-).
    Schöne Grüße an Spiro! Und dir einen guten Start ins Wochenende!

    1. Hallo Iris,
      ja der hatte was, der Spiro 😉 und Bohlke mochte ich auch sehr. Wäre toll wegen den zwei nochmal ins vergangene Berlin zu reisen.
      Liebe Grüße und dir auch ein sehr schönes Wochenende

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