„Bis zum letzten Tropfen“ von Mindy McGinnis

Bis zum letzten Tropfen

 

 „Lynn war neun, als sie das erste Mal tötet, um den Weiher zu verteidigen…“ (Seite 7)

Ein Buch das so beginnt kann nur heftig und hoffentlich gut werden, dass war mein erster Gedanke. Es hat auch viele Seite angehalten, dieses Gefühl von Einsamkeit und der Furcht davor, dass irgendjemand kommt um dieses kostbare Trinkwasser des Weihers zu stehlen. Wasser, dass knapp geworden ist. Schon vor Lynns Geburt, weswegen ihre Mutter mit aller notwendigen Härte ihre Tochter alleine erzieht – zu einer Killerin und einer jungen Frau die überleben kann.

Aber erst einmal kurz zur Story:
Kein Trinkwasser! Eine Katastrophe für die Menschen. Flucht in die Städte, da es dort (gegen Bezahlung) noch Trinkbares gibt. Nur Lynn ist mit ihrer Mutter zurückgeblieben. In dem kleinen Haus dass an einen Weiher liegt. Genau dieser muss beschützt werden und so verbringen Mutter und Tochter ihr Leben damit zu wachen, auf dem Dach und zu überleben, im Keller. Mit ihren 16 Jahren hat Lynn so viel gelernt um durchzukommen und dann wird all ihr Wissen auf eine harte Probe gestellt. Denn ihrer Mutter geschieht schreckliches.

Wie bereits erwähnt, der Anfang war stark. Zu lesen wie diese zwei Frauen überleben und wie stoisch sie ihre täglichen Rituale abliefern. Der Nachbar Stebbs, weit entfernt, nur erkennbar an seinem roten Halstuch und all diese Kojoten, die neben den umherwandernden Personen, an den Weiher und das kostbare Trinkwasser wollen. Sie sind nicht zimperlich, die zwei Frauen und haben ihr Umfeld immer im Auge. So entdecken sie auch das Lagerfeuer, weit entfernt von ihrem Haus und doch wissen sie, dass Gefahr droht.

„Du musst wissen, dass es böse Männer in dieser Welt gibt, und schnell durch die Hand deiner Mutter zu sterben ist besser als ihnen in die Hände zu fallen. “ (Seite 25)

So manches mal hatte ich eine Gänsehaut angesichts dieser Kaltschnäuzigkeit und Gefühlskälte der Mutter, die zu Hundert Prozent auf Lynn abfärbte. Wie sollte es auch anders sein – Lynn kannte nichts und niemand anderes. Eine absolut emphatieunfähige junge Heranwachsende, die sich aber im Laufe der Geschichte weiterentwickelt.

Anfänglich war ich wirklich schwer beeindruckt, vom Stil und der nüchternen Erzählweise, aber dann hat sich diese dystopische Überlebensgeschichte irgendwie gewandelt. Eine anbahnende Liebesgeschichte und eine Lynn die erst einmal aufgeklärt werden musste. Personen die in ihr ’neues‘ Leben treten, zum Teil herzzerreißend aber stellenweise doch zu sehr ‚zufällig‘. 

Es wurde richtig actionlastig und dieser Kampf Gut gegen Böse war mir auf eine total unglaubwürdige Art dargestellt. Ein Teenager gegen ein Dutzend roher und rauer Männer? Und danach auf einmal alles gut? Und was hatte es überhaupt mit dem fehlenden Wasser auf sich? Warum war es so knapp? Wie lebten die Menschen in den Städten? Was für Auswirkungen hatten diese Krankheiten? All das wurde nur kurz angerissen, dabei hätte ich mir im Laufe des Buches viel mehr an Informationen gewünscht.

Als sehr positiv sehe ich die vielen einzelnen Kapitel. Kurz und immer übersichtlich. Keine unnötigen Zeit- oder Personensprünge. Auch ist der Schreibstil unkompliziert und somit liest sich die Geschichte wirklich schnell. 

„Doch hier draußen, wo es wenig Menschen gab, waren nicht die Krankheiten das Schlimmste.“ (Seite 196)

 „No drop to drink“ – den original Titel finde ich sehr gut gewählt. Sagt er doch aus was das Wichtigste schlechthin ist. Wasser, trinkbares Wasser und der unerbittliche Kampf um das Überleben. Die Geschichte um Lynn und ihre Begleiter soll mit einem 2. Band weitergehen – leider habe ich dazu noch nichts entdeckt. Lesen würde ich es auf jeden Fall, da gibt es noch so viel was ich wissen möchte.

Rezension verfasst von © Kerstin
★★☆

    Buchdetails
Titel: Bis zum letzte Tropfen
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Buchreihe: 1. Band
AutorIn: Mindy McGinnis
Verlag: Heyne fliegt [Verlagsgruppe Random House ]
320 Seiten
ISBN: 978-3453268975 [gebundene Ausgabe]
Erscheinungsdatum Erstausgabe: 11.08.2014
          Kosten

Hardcover: 14,99 €
E-Book: 11,99 €

Lynn & Lucy
Reihe
Band 1 ~ „Bis zum letzten Tropfen“
Band 2 ~ noch nicht erschienen

6 Kommentare

  1. Hm, ich werde es mal im Auge behalten denn so ganz hat es mich noch nicht gepackt.
    Kurze Kapitel mag ich allerdings ganz gerne, die tricksen beim lesen immer so schön aus.
    Ganz so nach dem Motto „Ein Kapitel geht noch“
    und noch eins und noch eins 🙂
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Ela

    1. Bei Büchern mit vielen kurzen Kapiteln habe ich immer den eindruck das es sich viel schneller liest obwohl es keinen Unterscheid bei den Seitenzahlen gibt. Wie du so schön sagst, noch ein Kapitel und noch eins und noch eins 🙂

  2. Ich muss dir in allen Punkten zustimmen. Der Einstieg hat mich sehr beeindruckt, aber dann hat die ganze Geschichte inkl. Figuren nicht so richtig die Kurve gekriegt. Grad Hintergrundinformationen finde ich bei solchen Büchern sehr wichtig und die haben hier gefehlt. Bei mir ist das Buch schon länger her und jetzt würde ich keine Fortsetzung mehr brauchen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    1. Hallo Nicole,
      und wieder sind wir einer Lesemeinung 🙂 das finde ich immer wieder faszinierend 🙂
      Mir wird es wohl aus so ergehen – je länger die Fortsetzung dauert um so weniger reizt sie dann irgendwann.
      Hab ein schönes Wochenende.
      Liebe Grüße
      Kerstin

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