„Scherbenseele“ von Erik Axl Sund

scherbenseele

 

Erscheinungsdatum: 08.09.2015
AutorIn: Erik Axl Sund
Verlag : Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442483334
Flexibler Einband: 416 Seiten
Sprache: Deutsch
Kosten: 12,99 €

 


3,5 von 5 Sternen ~ Rezensiert von Janna
28.03.2016

Melancholisch & düster

Das Autorenduo hatte sein Debüt mit der „Viktoria Bergmann Trilogie“ & startet mit diesem Buch die „Kronoberg-Reihe“.
Um diese zu lesen, muss die vorangegangene Trilogie nicht(!) gelesen werden.

Das Buch ist in vier Abschnitte („Phasen„) eingeteilt und nochmals in Mini-Kapitel unterteilt. Diese sehr kurzen Kapitel sind die  verschiedenen Sichtweisen der Protagonisten:
> Die handelnden Personen
> Die kurzen Momente vor dem Selbstmord der Jugendlichen
> Rückblenden in die Vergangenheit sowie die Gedanken des Mörders
Zu Beginn ist die Vielzahl der auftauchenden Protagonisten etwas unübersichtlich, jedoch dauert es nicht lange bis sich die ersten Verbindungen entwickeln.

Die Geschichte ist geprägt von benachteiligten Jugendlichen, mehrere Selbstmorde & Morde, dunkle Vergangenheiten & düstere Geheimnissen. All dies umhüllt den Leser, vermittelt eine melancholisch düstere Stimmung durch das ganze Buch hindurch. Es war fast schon eine Erleichterung das Buch zu beenden und sich von dieser dunkle Hülle zu befreien! Aber genau das macht den Reiz dieser Geschichte aus, saugt den Leser regelrecht hinein, von Vergnügen des Lesen kann hier kaum gesprochen werden.
Besonders das Ende hat mich gefangen genommen, etwas das kaum ein Leser erwartet hätte! Und genau das gefiel mir – ein mutiger Entschluss des Autorenduos dies so enden zu lassen.

Doch leider gibt es zu viele Kritikpunkte die überwiegen.
Es handelt sich hier um eine abgeschlossene Geschichte und doch bleiben für den aufmerksamen Leser zu viele Fragen offen. Solches stört mich nicht grundlegend, hier jedoch sind diese offene Fragen nicht sinnvoll:
> Es taucht ein Toter auf, welcher für die Geschichte keinerlei Bedeutung hat – warum?
> Spielt der Selbstmord von Jens Schwester, welcher sich fünfzehn Jahre zuvor ereignet hatte, eine Rolle in den aktuellen Ermittlungen von Jens oder dient dies nur der privaten Entwicklung?
> Und ebenso ist die Aufklärung der Familienverhältnisse nicht ganz stimmig – dem Leser sind die Rollen zwar klar, jedoch nicht innerhalb eines Beziehungskonstrukt nachvollziehbar.

Ebenso entsteht kein intensiver Spannungsbogen, für mich gab es kaum Stellen an denen ich dachte „Nein! Wie geht es weiter? Warum?“ etc. Es handelt sich um keinen rasanten Thriller, aber auch bei einem ruhigen Buch aus diesem Genre erhoffe ich mir Spannung und viele Fragen.
Die Geschichte und dessen Verlauf ist interessant, besonders in Hinblick auf die Selbstmorde, das Motiv des Täters und was hinter dem Musiker „Hunger“ steht, der Musik die die Jugendlichen in den Tod begleiten. Auch wenn sich alles zu einem Gesamtbild fügt, warum muss es immer mehr als eine Handlungstat sein? Das Autorenduo macht dem Leser verständlich was warum geschieht, jedoch geht somit der „Psychothrill“ unter und das ist mehr als schade! Denn was sich in der Vergangenheit des Täters verbirgt und auch die Selbstmordwelle der Jugendlichen ist zwar innerhalb dieses Buches fiktiv, aber Realität – eines der Geschichtsstränge hätte intensiver ausgebaut werden können, wenn auf das andere verzichtet worden wäre!

Jedoch bin ich nicht abgeneigt, beim zweiten Band wieder zuzugreifen, denn das kann das Autorenduo wie kaum ein anderer: Die Stimmung des Buches auf den Leser übertragen!

Habt keine Scheu einen Kommentar zu hinterlassen, wir freuen uns über jeden einzelnen!

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